Lieber Bruder, liebe Schwester.
Ich bitte euch diese Geschichte, durchzulesen, auf dass ihr incha Allah daraus lernt. Es ist keine erfundene Story, oder so… was folgt, hat sich tatsächlich ereignet, und zwar im Sommer 2004. Der Junge, um den es geht, war der beste Freund meines Cousins.


„Das Schicksal steht geschrieben“

Ayyoub hatte sich vorgenommen mit seinen besten Freunden an den Strand von Oujda (Saïdia) zu fahren. Sie hatten für den Tag eine kleine Villa gemietet und Ayyoub freute sich sehr drauf. Am frühen Morgen ging Ayyoub mit seinem Freund Aziz einige Sachen einkaufen: Essen, Getränke und Musik durften nicht fehlen. In der Lemdina (Stadt) unterhielten sich die beiden über den kommenden Spaß: „Hast du deiner Mutter gesagt, dass du mit uns fährst?“ fragte Aziz. – „Nein, sie wird mal wieder sagen, dass es viel zu gefährlich sei, Abends mit euch herumzufahren und…“ – „Ja, aber sie wird sich doch Sorgen machen, wenn sie nicht weiß, dass du den ganzen Tag weg sein wirst, oder?!“ Aziz kannte Ayyoubs Mutter; eine immer kranke und schwache Frau. Er wollte nicht, dass sich die arme Frau Sorgen um ihren Sohn macht. Ayyoub zögerte einen Moment und sagte dann schließlich „Du hast Recht, ich werde ihr sagen, wo ich bin.“ – „Ja, mach das, das ist besser.“

Aziz begleitete seinen Freund noch nach Hause und als er sich von ihm verabschiedete sagte er zu Ayyoub: „sag deiner Mutter, dass sie sich keine Sorgen machen braucht… wir werden vorsichtig fahren…“ – „Werd ich tun. Na dann, bis heute Abend, Aziz! Beslama.“ – „Beslama, bis später!“

Ayyoubs Mutter war gerade in der Küche, als er das Haus betritt. „Assalamu aleikum.“, sagte er und küsste seiner Mutter den Kopf. „Wa aleikum assalam, mein Sohn. Wie geht es Aziz, hast du ihn gesehen?“ – „ Ja, eben. Ihm geht es gut. Wir waren ein paar Sachen einkaufen… wir wollen heute Abend zu Saïdia (Strand) fahren und ich…“ – „Schon wieder?!? Weißt du nicht mehr, was beim letzten Mal war? Als Karem betrunken am Steuer saß… und er fast einen Mann überfahren hätte?! Weißt du das nicht mehr? Du hast es mir doch erzählt, Ayyoub!“ – „Mutter, ich verspreche dir, diesmal passen wir auf! Aziz wird fahren und er trinkt nicht! Er ist ein guter Fahrer! Mach dir bitte keine Sorgen…“ – „Ya Allah, was soll ich nur machen? Dieser Junge macht mich noch verrückt vor Sorgen!“

Ayyoub setze sich neben seine Mutter. Er küsste sie auf die Stirn und sagte „Ich werde nicht fahren. Ich will dir keine Sorgen bereiten. Wenn ich mitfahre, und weiß, du machst dir Sorgen, geht es mir nicht gut…“ – „Du bist ein vernünftiger Junge! Ya Allah, ich danke dir!“ sagte seiner Mutter mit erhobenen Händen.

Ayyoub sagte das Treffen mit Aziz und den anderen Jungs ab. Aziz wollte versuchen Ayyoubs Mutter zu überreden, doch Ayyoub wollte dies nicht. „Geht nur, ohne mich. Ich hoffe ihr habt Spaß. Macht keinen Unfug, Aziz!“ – „Machen wir nicht, Ayyoub. beslama.“- „Beslama!“ nach diesem Telefonat, am späten Nachmittag, ging Ayyoub auf sein Zimmer und nahm sich seinen Koran.

Seine Mutter kam am Abend herein und sah, wie er darin las als sie durch die Türspalte hereinschaute. Ayyoub bemerkte sie und sagte: „Ich lese etwas Koran. Ich glaube das bringt mir mehr als der Strand…“ – „Aber du ließt doch sonst nie Koran…“ – „ Es kommt mal der Tag, an dem man sich solchen Sachen zuwendet… ich vernachlässige zu oft meine Religion… ich hoffe Allah verzeiht mir dafür…“ – „Incha Allah! Ich freue mich, dass du nach so langer Zeit wieder das Buch Allahs in deinen Händen hältst.“

Die Mutter verließ das Zimmer. Es war jetzt spät abends und Ayyoub legte sich nach der Koranlektüre zum Schlafen hin.

Am nächsten Morgen klingelte es früh an der Haustür. Ayyoubs Mutter ging mühselig die Treppen runter um die Tür zu öffnen. An der Tür klingelte es ununterbrochen… „Einen Moment, ich komme sofort!“ rief sie der Person an der Tür zu… doch es klingelte weiter…

„Wer ist da?“ – „Aziz… ich bin es Aziz… Ayyoub… ich muss zu Ayyoub…schnell…“ – „Ja mein Sohn, sofort…“ sagte die Mutter aufgeregt und öffnete Aziz die Haustür. „Sabah elkheir… wo ist Ayyoub? Kann ich zu ihm? Es ist sehr wichtig…“ – „Was ist passiert? Ayyoub schläft noch.“ – „A lalla, ich habe versucht ihn anzurufen, doch Ayyoub nimmt nicht auf. Ich muss zu ihm… ein guter Freund, Jamal, ist im Meer ertrunken… wir haben versucht ihn zu retten… doch… unsere Hilfe kam zu spät… inna lillah wa inna ileihi rajiuon…“ – „Yaaaa rab!!! Yaaaa rab!!! Inna lillah wa inna ileihi rajioun… die Mutter des armen Jungen… habt ihr Jamals Mutter benachrichtigt?“ fragte Ayyoubs Mutter besorgt. – „Mohammed ist unterwegs zu ihr… kann ich bitte zu Ayyoub?“ – „Ja, geh, mein Junge… er ist oben.“

Ayyoubs Mutter zog sich schnell um, um zu Jamals Mutter zu fahren. Sie war sehr geschockt.

In der Zwischen Zeit ging Aziz zu seinem Freund aufs Zimmer. Er öffnete ohne Rücksicht auf den Schlafenden die Tür sehr laut… Ayyoub lag mit seinem Koran neben seinem Kopf im Bett… aufgeregt lief er zu Ayyoub ans Bett und rüttelte ihn „Ayyoub, Ayyoub… Jamal… Jamal… er ist ertrunken… Ayyoub, wach doch auf!!! Ayyoub…“ Aziz verstand nichts mehr… er versuchte Ayyoub die Augen zu öffnen… doch Ayyoub schlief für immer… inna lillah wa inna ileihi rajioun… Ayyoubs Tag war gekommen… Allah hat ihn zu sich zurückgebracht…

Aziz fing an zu schreien… erweinte wie verrückt „Ayyoub, Ayyoub, so sag doch was… du darfst nicht sterben… Ayyoub, was ist nur mit dir los… wieso wachst du nicht auf…. Ayyoub, Ayyoub…“

Ayyoubs Mutter wollte gerade zur Tür hinaus, als sie die Schreie von Aziz hörte und hoch ging. Sie sah Aziz Ayyoub an der Hand haltend am weinen… er drehte sich zu der Mutter seines besten Freundes um und sagte: „Allah wollte Ayyoub heute dorthin zurück bringen wo wir alle herkommen… Ayyoub lebt nicht mehr… inna lillah wa inna ileihi rajioun!!!“

Ayyoubs Mutter litt noch lange unter Schock. Sie wollte Ayyoub schützen, indem sie ihn nicht an den Strand fahren lassen wollte… doch das Schicksal steht geschrieben… als sie ihren Sohn wecken ließ, und sie selbst die Mutter des verstorbenen Jamal trösten gehen wollte… kamen die Leute zu ihr… um sie zu trösten…

Von Allah kommen wir und zu ihm werden wir alle zurückkehren… der Eine früher, der Andere später… doch die Heimkehr wird eintreffen… für uns alle…

Ayyoub starb, und sein Koran lag neben ihm auf seinem Kopfkissen… er starb und der Koran war in seiner Nähe… Jamal war ertrunken, am selben Tag ist er gestorben wie sein Freund Ayyoub… Jamal starb weil es Allah wollte… Ayyoub starb weil es Allah wollte… an das Schicksal müssen wir glauben… ob es gut ist oder schlecht… es ist das Schicksal… unveränderbar. Hätte Aziz wissen können, dass er sich an jenem Tag, an dem er Ayyoub nach Hause begleitete, zu letzten Mal von seinem Freund verabschiedet hat? –Nein. Denn niemand weiß, wann er sich von jmd. zum letzten Mal verabschieden wird… und wann sich die Menschen zum letzten Mal von einem selbst verabschieden werden…

Ayyoub starb im Alter von 19 Jahren, Jamal war auch in etwa 19 oder 20. Mein Cousin (Aziz) hat sich nach dem Tod seines besten Freundes sehr verändert. Die Mutter von Ayyoub ist eine Nachbarin meiner Tante. Sie hat allen Bekannten erzählt, was ich euch hier geschrieben habe… sie möchte, dass die Menschen daraus lernen… bi idni Llah.

Wa ssalamu aleikum Wr Wb

Maya. 

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