Rette dich bevor es zu spät ist…

Es war vor langer, langer Zeit ein Mann, der dem Weine frönte. Eines Tages heiratete er ein hübsches Mädchen und wünschte sich ein Kind von ihr, und sie schenkte ihm in der Tat ein prächtiges Töchterchen, das ebenso hübsch wie liebreizend war. Der Mann hatte es sehr gern und war dem Kinde von Herzen zugetan. Kaum war sie zwei Jahre alt geworden, da starb sie, und die Trauer um sie verursachte ihm bitteres Herzeleid.
Eines Abends, nachdem er wieder einmal betrunken eingeschlafen war, träumte er, die Toten hätten sich aus ihren Gräbern erhoben und versammelten sich vor Gott, Dem Mächtigen und Erhabenen. Auch er befand sich unter der Menge. Plötzlich hörte er ein Geräusch hinter sich, und, sich umwendend, gewahrte er zu seinem Schrecken eine Riesenschlange, die sich ihm näherte und den Rachen aufsperrte, um ihn zu verschlingen. Vor Angst und Entsetzen ergriff er schleunigst die Flucht. Während er davon lief, sah er auf einmal einen Greis mit sauberen Gewändern und angenehmem Duft an seinem Wege sitzen. Nachdem er ihn gegrüßt und der Alte seinen Gruß erwidert hatte, bat er ihn: „Gewähre mir Schutz und hilf mir wider die Schlange.“ Der Greis antwortete: „Ich bin schwach und sie ist stärker als ich. Renne vielmehr schleunigst fort. Vielleicht wird Allah der Erhabene jemand zu deinem Dienst stellen, der dich vor der Schlange rettet.“

So floh er weiter, bis er einen der Hügel des Auferstehungsgeländes erklommen hatte, von wo er auf die verschiedenen Stufen der Höllenfeuer hinunterschauen konnte, während die Schlange immer noch auf den Fersen war. Aus Angst vor ihr wäre er beinahe in die Hölle hinuntergefallen. In diesem Augenblick ertönte aus dem Feuer eine Stimme, die rief. „Kehre um, lieber Freund. Du gehörst nicht in die Hölle.“ Da beruhigte sich sein Gemüt. Er lief zum Greis zurück und sprach zu ihm: „Ich habe dich um Hilfe gebeten, Alter, und habe bei dir Schutz gesucht. Du hast dich aber geweigert, mir vor der Schlange Schutz zu gewähren. Warum hast du das getan?“ Weinend entgegnete der Greis: „Hast du nicht gehört, dass ich zu schwach dazu bin? Gehe zu dem Berge dort. In ihm sind die Schätze der Muslime hinterlegt. Vielleicht hast auch du einen Hort in ihm, der dir helfen und dich vor deinem Feinde schützen kann; denn er ist stärker als ich.“

So lief der Mann zu dem Berge hin. Zu seinem Erstaunen sah er, dass er sehr groß war, sowie dass Höhlen in ihn getrieben waren und Vorhänge daran hingen. Jede Höhle hatte einen Vorhang aus purem, Gold, der mit Rubinen, Perlen und Juwelen besetzt war.
Plötzlich verkündete ein Engel: „Hebt die Vorhänge und schauet alle hinunter. Vielleicht hat dieser Bedrängte in euch einen Hort, der ihm zum Schutze vor seinem Feind dienen könnte.“ Da wurden die Vorhänge gehoben, und Kinder mit Gesichtern schön wie der Mond, schauten auf ihn herab. Sie riefen einander zu: „Schauet nur ja alle herunter; denn die Schlange ist ihm bereits nahe, und er ist ratlos.“ Als sie nun alle auf ihn herniederschauten, ließ er seine Blicke schweifen. Da sah er auf einmal sein Töchterchen unter ihnen. Als sie ihn gewahrte, rief sie weinend: „Bei Allah, dies ist ja mein Vater!“ Dann zeigte sie mit der Hand auf die Schlange, worauf diese sich zur Flucht wandte. Dann streckte seine Tochter die Hand nach ihm aus. Er klammerte sich daran, und sie zog ihn dorthin, wo sie war, an einen Ort der jeder Beschreibung spottet. Er dankte Gott, Dem Erhabenen dafür. Seine Tochter aber sprach das Gotteswort (Qur-ân 57:17) „Ist nicht für die Gläubigen die Zeit gekommen, dass ihre Herzen sich demütigen vor der Ermahnung Allahs und vor der Wahrheit, die herabkam?“
Da musste der Mann weinen, und er fragte sie: „Kennt ihr hier den Qur-ân?“ Als sie es ihm bestätigte, bat er sie: „Erzähle mir, was dies für eine Schlange ist, die mich töten wollte.“ – 

 „Lieber Vater“, gab sie ihm zur Antwort: „Die Schlange ist, was du Böses getan hast. Du hast ihm solche Kraft gegeben, dass es dich um ein Haar in die Hölle gestürzt hätte, und wenn du wirklich in sie hineingehörtest, wärest du auch in sie hineingestürzt.“ Auf seine Frage, wer der schwache Greis sei, den er vergeblich um Hilfe gebeten hatte, sagte sie: „Er ist, was du Gutes getan hast. Du hast es dermaßen geschwächt, dass es nichts von dir abwehren kann.“ Schließlich fragte er sie noch: „Und was tut ihr hier?“ Sie antwortete: „Wir bleiben hier, bis die Stunde des Gerichtes schlägt, und warten darauf, dass ihr zu uns kommt. Dann wollen wir Fürsprache für euch einlegen.“
In diesem Augenblick erwachte der Mann aus dem Schlaf. Am nächsten Morgen zerbrach er die Weingefäße und kehrte reuevoll zu Gott dem Erhabenen zurück.
So war dieser Traum der Anlass zu seiner Bekehrung geworden.
Allah aber weiß alles am besten.