Das Zeugnis der Bibel
 
Vorwort

Die in diesem Buch enthaltene Sammlung von Bibelzitaten zu Themen, die für den Dialog zwischen Muslimen und Christen oder Juden von Interesse sind, ist lediglich eine kleine Auswahl von Stellen, die jedoch ausreichend ist, jedem, der wirklich finden will, den Weg zur Wahrheit zu zeigen.

Es wird im folgenden nach der im Jahre 1956 vom Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland im Einvernehmen mit dem Verband der evangelischen Bibelgesellschaften genehmigten Fassung des revidierten Textes zitiert, Hervorhebungen sind jedoch von mir. Abweichungen im Wortlaut sowie in der Verszählung bei anderen Bibelausgaben sind durchaus üblich. Das verwundert nicht, gibt es schließlich kein authentisches Original der biblischen Texte. Die deutschen Bibeltexte gehen auf die lateinische Vulgata zurück. Aber auch der hebräische Bibeltext ist als Ausgangsbasis wenig brauchbar. Mit wenigen Ausnahmen handelt es sich um eine Rückübersetzung aus dem Griechischen. In der Bibel, aus der wir zitierten, finden wir im Anhang auf Seite 44 folgende Aussage: „…wir besitzen die originalen Niederschriften nicht mehr. Unsere Kenntnis des biblischen Textes gründet sich auf eine Unzahl von Abschriften, einigen tausend, von denen kaum zwei völlig miteinander übereinstimmen.“

In der Einleitung zu diesem Buch wird die Problematik der Verwendung von Bibelzitaten durch Muslime gestreift. Die sich anschließenden, mit Erklärungen versehenen Bibelzitate behandeln überwiegend die folgenden Themenbereiche:
1. Prophezeiungen über das Siegel der Propheten, Muhammad – Friede über ihn.
2. Nahrungsvorschriften.
3. Die Schädlichkeit des Alkoholgenusses.
4. Die Vielehe.
5. Zins und Wucher.
6. Die Behauptung der Gottessohnschaft.
7. Die Behauptung von der Kreuzigung Jesu.
8. Die Unzuverlässigkeit der Bibelüberlieferung.

Die klaren Aussagen des Qur’an werden beim jeweiligen Themenkomplex mit berücksichtigt.

Sahib Mustaqim Bleher – Weilerswist, im März 1984 / Gumada atTani 1404

Einleitung


 

Allah hat zu jeder Zeit den Menschen durch Seine Rechtleitung den Weg gewiesen. Dieser Weg war und ist trotz Verschiedenheiten im einzelnen stets derselbe: Die alleinige Anbetung Allahs, des Schöpfers der Himmel und der Erde, und der Dienst an Ihm. „Die Religion bei Allah ist der Islam“, heißt es in Vers 19 der Sure 2, Al ‚Imran. Islam bedeutet die völlige Hingabe an und Unterwerfung unter Allah, wodurch der Mensch Friede mit seinem Schöpfer, mit sich selbst und mit seiner Umwelt erreicht; ein Friede, der auf der Anerkennung des Schöpfers und Seinem Lobpreis gründet. So sind die Gläubigen zueinander Brüder, Freunde und Beschützer, während die Ungläubigen, die durch ihr Verhalten die Harmonie im Leben stören und den Zorn des Schöpfers herabrufen, zu meiden, zurückzuweisen und zu bekämpfen sind. Mit dieser Lehre sind all die zahlreichen Propheten entsandt worden, von denen uns manche namentlich bekannt, zahlreiche aber gänzlich unbekannt sind. Doch wir wissen, daß keiner von ihnen je zu etwas anderem aufgerufen hat. Deswegen erkennen wir sie alle ausnahmslos an und machen diesbezüglich keinen Unterschied zwischen ihnen. Der Neid und die Eifersucht trieben die Menschen jedoch dazu, mit dem Gnadengeschenk des Herrn, der göttlichen Rechtleitung, zu geizen. Jede Gruppe unter ihnen wollte allein im Besitz der göttlichen Rechtleitung sein, begann das von Allah offenbarte Wissen zu verbergen und gönnte anderen keinen Anteil daran. Die Geschichte der Juden, der Kinder Israels, ist dafür ein allen bekanntes Beispiel, das im Qur’an häufige Erwähnung findet. Ihr Stolz trieb sie dazu, sich für das auserwählte Volk zu halten, das Allah nicht bestrafen werde, und sie wandelten Allahs Gesetze und Offenbarungen zu ihren Gunsten ab und interpretierten sie nach eigenem Belieben. Sie lehnen Allahs Gesandte und deren Botschaft ab, nur weil sie es nicht ertragen können, daß Allahs Gnade und Barmherzigkeit allumfassend ist und nicht nur ihnen gilt.


 

Wir Muslime könnten es nun bei der reinen Anerkennung sämtlicher vorangegangenen Propheten und Offenbarungsschriften bewenden lassen; sie sind für uns über die darin erkennbare unerschöpfliche Gunst des Schöp­fers gegenüber Seinen Geschöpfen hinaus, denen Er unablässig trotz ihres beständigen Ungehorsams immer wieder den Weg zeigt, nur von historischem Interesse. Wir haben den Qur’an als letzte, vollkommene Rechtleitung von Allah, darin nichts ausgelassen ist. Wir betrachten alles Vorangegangene im Lichte dieser segensreichen Botschaft und sind gewiß, daß uns darin der wahre Sachverhalt geschildert wird, weshalb wir des Studiums der vorangegangenen Schriften nicht bedürfen, um den Weg zu kennen.


 

Als in nicht-islamischer Umgebung unter denen Lebende, die von sich behaupten, der Lehre Mosis und Jesu zu folgen, ist der Blick in deren Bücher aber doch lohnenswert und von aktueller Bedeutung. Denn es gehört zu unseren Aufgaben, sie mit der Wahrheit in Berührung zu bringen. Wenn wir nun über diese Wahrheit Hinweise in den Schriften finden, auf die sie sich berufen, so mag das helfen, ihnen die Augen zu öffnen. Das Fremde ruft erst einmal Angst und Distanz hervor. Begegnet es uns aber in vertrautem Gewand, so sind wir eher in der Lage, es aufzunehmen. Können wir also dem Bibelgläubigen in seinem eigenen Buch Teile der qur’anischen Wahrheit auftun, so mag er geneigt sein, auch den Rest dieser Wahrheit hören zu wollen.


 

Vor einem aber möchte ich vorneweg ausdrücklich warnen: Mit Andersgläubigen auf der Basis der Bibel zu diskutieren. Unser Maßstab ist der Qur’an . Wenn wir in der Bibel zahlreiche wahre, vom Qur’an bestätigte Stellen finden, so wissen wir doch zugleich, daß es darin ebensoviel, ja weitaus mehr erdichtete und falsche Aussagen gibt. Die Bibel ist ein Sammelsurium von Offenbarungsfragmenten, Interpretationen derselben, geschichtlichen Berichten und menschlicher Erfindung. Allah allein weiß, welcher Satz davon auf eine Offenbarung Seinerseits und was auf menschliche Phantasie zurückgeht. Ein solches Buch kann nicht die rechte Grundlage für die Wahrheitsfindung sein. Allah teilt uns im Qur’an an mehreren Stellen mit, wie die dem Qur’an vorausgehenden Offenbarungsschriften Fälschungen ausgesetzt warm. Und auch die Bibel gibt darüber Auskunft: In Jeremia 8;8 heißt es: „Wie könnt ihr sagen: »Wir sind weise und haben das Gesetz des Herrn bei uns«? Ist’s doch lauter Lüge, was die Schreiber daraus machen.“


 

Prophezeiungen über das Siegel des Propheten Muhammad – Allahs, Segen und Frieden über ihn

Die Geschichte des Opfers Abrahams, derer wir jährlich beim Hagg gedenken, ist hinlänglich bekannt. Allah sagt im Qur’an (Sure 37, As-Saffat, Vers 102-112): „Als er dann mit ihm den Weg erreichte, sprach er, o mein Sohn, ich habe im Traum gesehen, daß ich dich opfere; was meinst du dazu? Er sprach, o mein Vater, tu, was dir befohlen ward, du wirst mich, so Allah will, als Geduldigen finden. Als sie sich also gefügt hatten und er ihn auf die Stirn legte, riefen Wir ihn, »o Abraham, du hast den Traum bereits erfüllt« – so vergelten Wir den Gutes Wirkenden. Dies war eine offenkundige Prüfung. Und Wir lösten ihn mit einem gewaltigen Opfer aus. Und Wir hinterließen über ihn unter den Späteren: Friede über Abraham. So vergelten Wir den Gutes Wirkenden. Denn er gehörte zu Unseren gläubigen Sklaven. Und Wir verkündeten ihm Isaac als Propheten von den Rechtschaffenen.“ Die Geburt Isaacs wird Abraham hier also nach dem Opfer Ismaels verkündet. Allah hat die Nachkommen Abrahams durch das Prophetentum ausgezeichnet. Er sagt über ihn in Sure 29, Al-Ankabut, Vers 27: „Und Wir schenkten ihm Isaac und Jakob und legten in seine Nachkommenschaft das Prophetentum und die Schrift, und Wir gaben ihm seinen Lohn im Diesseits, und im Jenseits wird er unter den Rechtschaffenen sein.“ Alle nach ihm kommenden Propheten entstammen also seiner Nachkommenschaft und sind entweder die Kinder Ismaels oder Isaacs. Ismael ist der Stammvater der Araber, denn er wanderte mit seinem Vater Abra­ham und seiner Mutter Hagar ins Tal von Mekka aus, wo sie die Ka’ba erbauten, und heiratete in den Stamm von Gurhum. Dieser Verbindung entspringen eine Reihe von arabi­schen Propheten und schließlich auch das Sie­gel aller Propheten, Muhammad – Friede über ihn. Isaac gebar Jakob, auch Israel genannt, und aus seiner Nachkommenschaft stammen alI die Propheten des Hauses Israel. Nun fin­den wir in 1. Mose 22;15-18: „Und der Engel des Herrn rief Abraham abermals vom Him­mel her und sprach: Ich habe bei mir selbst ge­schworen, spricht der Herr: Weil du solches ge­tan hast und hast deines einzigen Sohnes nicht verschont, will ich dein Geschlecht seg­nen und mehren wie die Sterne am Himmel und wie den Sand am Ufer des Meeres, und deine Nachkommen sollen die Tore ihrer Fein­de besitzen; und durch dein Geschlecht sollen alle Völker auf Erden gesegnet werden, weil du meiner Stimme gehorcht hast."

Die Christen beziehen diese Verheißung auf Jesus. Entsprechend finden wir in der Bibel, Abraham habe seinen Sohn Isaac geopfert. Daß dies eine klare Fälschung ist, geht aus der genannten Bibelstelle deutlich hervor. Es wird hier vom einzigen Sohn Abrahams gesprochen, welcher geopfert werden sollte. Nun kann der einzige Sohn Abrahams nur dessen erster Sohn, Ismael, sein, denn nach der Geburt Isaacs hatte Abraham zwei Söhne. Allah verspricht Abraham ja gerade einen zweiten Sohn, wie wir in den oben zitierten Qur’an-Versen gesehen haben, weil er bereit war, seinen ersten und einzigen Sohn, den er erst in hohem Alter bekam, um Allahs willen aufzugeben. Die biblische Verheißung muß also in Ismael und damit durch Muhammad erfüllt werden. Es kommt hinzu, daß es in diesem Bibelzitat heißt, „und durch dein Geschlecht sollen alle Völker auf Erden gesegnet werden.“ In Matthäus 15;24 finden wir aber über Jesus die folgende Aussage: „Er antwortete aber und sprach: Ich bin nur gesandt zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel.“ Jesus wurde als Prophet zu den Kindern Israels entsandt (Qur’an Sure 3, Al ‚Imran, Vers 49); er hatte keinen Anspruch darüber hinaus. Muhammad – Allah segnete ihn und gab ihm Friede – wurde hingegen entsandt als „Barmherzigkeit für alle Welt“ (Qur’an Sure 21, Al-Anbiya’, Vers 84) und „als Siegel der Propheten“ (Qur’an Sure 33, Al-Ahzab, Vers 40). Er wird uns in 5. Mose 18;18-19 angekündigt, worin Gott zu Mose gesagt haben soll: „Ich will ihnen einen Propheten, wie du bist, erwecken aus ihren Brüdern und meine Worte in seinen Mund geben; der soll zu ihnen reden alles, was ich ihm gebieten werde. Doch wer meine Worte nicht hören wird, die er in meinem Namen redet, von dem will ich’s fordern.“

Wir wollen uns etwas näher betrachten, was an dieser Stelle ausgesagt ist über den zu erwartenden Propheten:
a) er soll aus ihren Brüdern erweckt werden; also nicht aus dem Hause Israel, sondern aus der Nachkommenschaft Ismaels – Friede über beide. Denn die Ismaeliten sind, wie wir oben gesehen haben, die Brüder der Israeliten.

b) Er soll reden, was ich ihm gebieten werde, er spricht Worte, die er in meinem Namen redet. Wir wissen, daß die qur’anische Offenbarung begann mit „lies im Namen deines Herrn" (Qur’an Sure 96, Al-‘Alaq, Vers 1), und am Beginn der Qur’an-Suren steht mit einer Ausnahme "Im Namen Allahs, des Erbarmers, des Sich Erbarmenden". Muhammad überbrachte Allahs Wort in Dessen Namen und sprach nicht wie Jesus, zumindest nach biblischem Zeugnis, in Gleichnissen.
c) Er soll ein Prophet sein wie Moses. Denn es heißt: „Ich will ihnen einen Propheten, wie du bist erwecken…" Nun war es nach ihm nur Muhammad, der ein vollständiges Gesetz brachte wie Moses zuvor. Jesus dagegen folgte dem mosaischen Gesetz, was in Matthäus 5;17 zum Ausdruck kommt: „Ihr sollt nicht wähnen, daß ich gekommen bin, das Gesetz aufzulösen; ich bin nicht gekommen aufzulösen, sondern zu erfüllen." In 5. Mose 34;10-12 finden wir außerdem bestätigt, daß Jesus der angekündigte Prophet nicht sein konnte, der war wie Mose. Denn es heißt da: „Und es stand hinfort kein Prophet in Israel auf wie Mose, den der Herr erkannt hätte von Angesicht zu Angesicht, mit all den Zeichen und Wundern, mit denen der Herr ihn gesandt hatte, daß er sie täte in Ägyptenland am Pharao und allen seinen Großen und an seinem ganzen Lande, und mit all der mächtigen Kraft und den großen Schreckenstaten, die Mose vollbrachte vor den Augen von ganz Israel.“

Auf Muhammad – Allahs Segen und Frieden über ihn -, der im Hause Ismael aufstand, aber treffen die erwähnten Charakteristika wohl zu: Er war Allahs geliebter Freund, den Er mittels des mi’rag, des Aufstiegs zum siebenten Himmel nach dem isra‘, der nächtlichen Reise von Mekka nach Jerusalem, in Seine Nähe kommen ließ und den Er stark machte und voll mächtiger Kraft.

In Jesaja 21;7 finden wir folgenden Satz: „Und sieht er einen Zug von Wagen mit Rossen, einen Zug von Eseln und Kamelen, so soll er darauf achtgeben mit allem Eifer.“ Auf den ersten Blick will dieser Satz nicht soviel hergeben. Weiß man aber, daß es im ursprünglichen lateinischen Bibeltext der Vulgata hieß: „…einen Zug zweier Reiter, einen Reiter auf einem Esel und einen Reiter auf einem Kamel…“, wird klar, daß dies sich auf Jesus bezieht, dessen Reittier der Esel war, und auf Muhammad, dessen Reittier das Kamel war. Es gibt eine Reihe weiterer Prophezeiungen Muhammads in Jesaja. Es sei hier nur noch Jesaja 42;1-4 erwähnt, wo es heißt: „Siehe, das ist mein Knecht – ich halte ihn – und mein Auserwählter, an dem meine Seele Wohlgefallen hat. Ich habe ihm meinen Geist gegeben; er wird das Recht unter die Heiden bringen. Er wird nicht schreien noch rufen, und seine Stimme wird man nicht hören auf den Gassen. Das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen, und den glimmenden Docht wird er nicht auslöschen. In Treue trägt er das Recht hinaus. Er selbst wird nicht verlöschen und nicht zerbrechen, bis er auf Erden das Recht aufrichte; und die Inseln warten auf seine Weisung.“

Freilich beziehen die Christen all solche Stellen auf Jesu. Aber sie kommen dann unweigerlich mit all dem in Konflikt, was wir in der Bibel über Jesu finden. Jesus war zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel entsandt, zu Gläubigen also, für die das Gesetz Mosis galt, nicht zu den Heiden. Die Geschichte vom Kanaaneischen Weib in Markus 7;22-28 macht überaus deutlich, daß er seine Aufgabe nicht darin sieht, das Recht unter die Heiden zu bringen. Sodann findet auch der Satz „er selbst wird nicht verlöschen und nicht zerbrechen, bis er auf Erden das Recht aufrichte“, keine Anwendung auf ihn. Es war Muhammad, der auserwählte Knecht Allahs, dem Allah den Erfolg gewährte, bevor Er ihn abberief.

Als letztes Zitat des Alten Testaments zu diesem Themenkomplex wollen wir Daniel 7;1314 betrachten, wo steht: „Ich sah in diesem Gesicht in der Nacht, und siehe, es kam einer mit den Wolken des Himmels wie eines Men­schen Sohn und gelangte zu dem, der uralt war, und wurde vor ihn gebracht. Der gab ihm Macht, Ehre und Reich, daß ihm alle Völker und Leute aus so vielen Sprachen dienen soll­ten. Seine Macht ist ewig und vergeht nicht, und sein Reich hat kein Ende.“ Wir finden auch hier den Segen Allahs für Seinen letzten Propheten Muhammad – Allahs Segen und Frieden über ihn – wieder, den Er als Barmherzigkeit für alle Welt entsandte. Seine Lehre nimmt an Verbreitung über die ganze Erde hinweg ständig zu und wird bis zum Ende dieser Welt nicht aufhören, zu wirken. Die Betrachtung des Neuen Testaments wollen wir mit Matthäus 21;43 beginnen: „Darum sage ich euch: Das Reich Gottes wird von euch genommen und einem Volke gegeben werden, das seine Früchte bringt.“ Es ist dies eine deutliche Warnung Jesu an die Juden, die Kinder Israel, zu denen er gesandt war, darin er ihnen mitteilt, was nach ihm geschehen werde. Ein weiteres Matthäus-Zitat ist recht aufschlussreich, wenn auch zuerst etwas verwirrend. Man muss dabei berücksichtigen, daß die Bibel im Lichte der Dreieinigkeitslehre, die erst nach dem dritten Jahrhundert christlicher Zeitrechnung auf Konzilen beschlossen wurde, geschrieben, verändert und übersetzt wurde. Macht man sich klar, daß es beim folgenden Bibelzitat nicht um den Christus oder Messias geht, sondern um den auch von David wie von allen Propheten angekündigten Propheten, der die Kette der Gottgesandten beschließen und die Botschaft Allahs an die Menschen vervollkommnen werde, wird die Aussage verständlich. Jesus, der Christus und Messias aus dem Hause Israel, spricht hier nicht von sich, sondern von jenem Siegel der Propheten, auf den alle vorangehenden Propheten hingewiesen hatten, denn Allah hatte ihnen dahingehend ein Versprechen abgenommen (vgl. Qur’an Sure 3, Al ‚Imran, Vers 81). Die Juden, die sich für das auserwählte Volk Gottes hielten und keinen Propheten anerkennen wollten, es sei denn er entstamme ihren Reihen, behaupteten nun, dieser kommende Prophet müsse ebenfalls diesem Hause entstammen, er müsse ein Sohn Davids sein. Dies widerlegt ihnen Jesus im folgenden, bei Matthäus (22;41-46) wiedergegebenen Zitat: „Da nun die Pharisäer beieinander warn, fragte sie Jesus und sprach: Was denket ihr von dem Christus? Wessen Sohn ist er? Sie sprachen: Davids. Er sprach zu ihnen, wie kann ihn dann David im Geist einen Herrn nennen, wenn er sagt (Psalm 110;1): »Der Herr hat gesagt zu meinem Herrn: Setze dich zu meiner Rechten, bis daß ich lege deine Feinde unter deine Füße«? So nun David ihn einen Herrn nennt, wie ist er denn sein Sohn? Und niemand konnte ihm ein Wort antworten, und wagte auch niemand von dem Tage an, ihn hinfort zu fragen“ Es handelt sich bei dem kommenden Gesandten um den Tröster, den wir im Johannesevangelium wieder finden. Tröster ist eine Übersetzung für das griechische Parakletos (παραχελευστός) welches eigentlich mehr für Helfer, Anhänger steht. Es ist leicht zu verwechseln mit dem griechischen Wort Periklytos (περιχλύτός) das mit Ruhmreicher übersetzt werden kann und in dieser Bedeutung mit dem arabischen Ahmad identisch ist. Hierzu heißt es im Qur’an (Sure 61, As-Saff, Vers 6): „Und als Jesus, der Sohn der Maria, sprach, o Kinder Israels, ich bin der Gesandte Allahs zu euch, das, was mir von der Tora vorausging, bestätigend und einen Gesandten ankündigend, der nach mir kommt, dessen Name Ahmad ist…" Im Lichte dieses Verses wollen wir uns nun Johannes 14;16-17 zuwenden: „Und ich will den Vater bitten, und er wird euch einen anderen Tröster geben, daß er bei euch sei ewiglich: den Geist der Wahrheit, welchen die Welt nicht kann empfangen, denn sie sieht ihn nicht und kennt ihn nicht. Ihr aber kennet ihn, denn er bleibt bei euch und wird in euch sein.“ Die Rede ist von jemandem, den Allah nach ihm senden wird, und der bei ihnen bleiben wird ewiglich. Nun ist Muhammad in doppeltem Sinne ewiglich bei uns geblieben. Einmal, indem er der letzte der Propheten ist, wir also ewiglich seinem Beispiel folgen werden, und er darin nicht abgelöst wird. Zweitens, indem die von ihm übermittelte Botschaft, der Qur’an ewiglich unverändert bei uns bleibt.

Die Christen beziehen diese Stelle gerne auf den Heiligen Geist und haben wohl dahingehend auch Veränderungen im Text vorgenommen. Wir finden dies im nachfolgenden Zitat sogar als Einschub nach der Erwähnung des Trösters (Parakletos): Es heißt in Johannes 14;22-26: „Spricht zu ihm Judas, nicht der Ischarioth: Herr, was ist’s, daß du dich uns willst offenbaren und nicht der Welt? Jesus antwortete und sprach zu ihm: Wer mich liebt, der wird mein Wort halten; und mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm machen. Wer aber mich nicht liebt, der hält meine Worte nicht. Und das Wort, das ihr höret, ist nicht mein, sondern des Vaters, der mich gesandt hat. Solches habe ich zu euch geredet, während ich bei euch gewesen bin. Aber der Tröster, der heilige Geist, welchen mein Vater senden wird in meinem Namen, der wird euch alles lehren und euch erinnern alles des, was ich euch gesagt habe." Es ist die verwirrende Lehre der Dreieinigkeit, die die Christen diese Verse nicht verstehen lässt. Alles, was aber in diesem und den später folgenden Versen über den Tröster gesagt wird, passt nicht zu dem, was wir in der Bibel über den Heiligen Geist finden. In Markus 12;36 heißt es: „David selbst hat durch den heiligen Geist gesagt…“ Der heilige Geist, der also schon bei den vorhergegangenen Propheten zugegen war, kann schwerlich mit einem anderen Tröster übereinstimmen, der erst nach Jesu zu den Menschen gesandt würde. Ganz abgesehen einmal davon, daß mit dem Namen Heiliger Geist stets der Erzengel Gabriel bezeichnet wird, der mit der Offenbarung von Allah herabkommt.

Zurück zu dem gerade angegebenen Johanneszitat: Jesus wird gefragt, warum seine Offenbarung nur für sie, also die Kinder Israels gelte, und nicht für die ganze Welt. Daraufhin verweist Jesus auf den kommenden Propheten, der sie alles lehren werde und erinnern an alles, was er ihnen gesagt habe. Johannes 15;26-27 und 16;1-5 ist diesbezüglich noch deutlicher: „Wenn aber der Tröster kommen wird, welchen ich euch senden werde vom Vater, der Geist der Wahrheit, der vom Vater ausgeht, der wird zeugen von mir. Und auch ihr werdet meine Zeugen sein, denn ihr seid von Anfang bei mir gewesen. Solches habe ich zu euch geredet, damit ihr nicht Ärgernis nehmt. Sie werden euch in den Bann tun. Ja, es kommt die Stunde, daß wer euch tötet, wird meinen, er tue Gott einen Dienst damit. Und solches werden sie darum tun, weil sie weder meinen Vater noch mich erkennen. Aber solches habe ich zu euch geredet, damit, wenn die Stunde kommen wird, ihr daran gedenket, daß ich’s euch gesagt habe. Solches aber habe ich euch von Anfang nicht gesagt, denn ich war bei euch. Nun aber gehe ich hin zu dem, der mich gesandt hat; und niemand unter euch fragt mich: Wo gehst du hin? Sondern weil ich solches zu euch geredet habe, ist euer Herz voll Trauerns geworden. Aber ich sage euch die Wahrheit: es ist euch gut, daß ich hingehe. Denn wenn ich nicht hingehe, so kommt der Tröster nicht zu euch. Wenn ich aber gehe, will ich ihn zu euch senden. Und wenn derselbe kommt, wird er der Welt die Augen auftun über die Sünde und über die Gerechtigkeit und über das Gericht; über die Sünde: daß sie nicht glauben an mich; über die Gerechtigkeit: daß ich zum Vater gehe und ihr mich hinfort nicht sehet; über das Gericht: daß der Fürst dieser Welt gerichtet ist. Ich habe euch noch viel zu sagen; aber ihr könnt es jetzt nicht tragen. Wenn aber jener, der Geist der Wahrheit kommen wird, der wird euch in alle Wahrheit leiten. Denn er wird nicht aus sich selber reden; sondern was er hören wird, das wird er reden, und was zukünftig ist, wird er euch verkündigen. Derselbe wird mich verherrlichen; denn von dem Meinen wird er’s nehmen und euch verkündigen. Alles, was der Vater hat, das ist mein. Darum habe ich gesagt: Er wird’s von dem Meinen nehmen und euch verkündigen.“

Der kommende Prophet „wird nicht aus sich selber reden; sondern was er hören wird, wird er reden", ein klarer Hinweis auf die qur’anische Offenbarung. Und er wird Jesus verherrlichen, indem er das falsche Bild, das die Leute von ihm haben, wieder korrigiert, indem er ihn befreit von dem Vorwurf, er habe sich selbst zum Gott gemacht. Er wird der Welt die Augen auftun, über die Sünde, nicht an Jesus als Gesandten zu glauben, der doch selbst klar sagte: „das Wort, das ihr höret, ist nicht mein, sondern des Vaters, der mich gesandt hat.“ Darüber werden wir im Kapitel über die angebliche Gottessohnschaft noch hören. Aufschlussreich ist aber auch der letzte Satz des obigen Zitats: „denn von dem Meinen wird er’s nehmen und euch verkündigen. Alles, was der Vater hat, ist mein. Darum habe ich gesagt: Er wird’s von dem Meinen nehmen und euch verkündigen.“ Wir kennen den unsinnigen Vorwurf vieler Christen, Muhammad habe aus der Bibel abgeschrieben, womit sie die zahlreichen Entsprechungen in beiden Büchern erklären wollen. Hier, in der Bibel selbst, finden wir aber die deutliche Aussage, daß alle von den Propheten den Menschen überbrachten Botschaften von Allah stammen und sich deshalb entsprechen.

Wer die hier aufgeführten Bibelstellen aufmerksam mit für die Wahrheitssuche offenem Herzen liest und sich darüber Gedanken macht und sich sodann bemüht, ein wenig über das Leben dieses großen arabischen Propheten zu erfahren, dessen Licht die Welt bis zum heutigen Tag erhellt, der wird ohne Zweifel schnell überzeugt sein, daß Muhammad der wahre Gesandte Allahs ist, der uns hier in diesen biblischen Stellen von seinen prophetischen Vorgängern angesagt wurde. Und ich bezeuge, daß es keinen Gott gibt außer Allah, und daß Muhammad Sein Gesandter ist.

 
 
Nahrungsvorschriften

„Das Essen derer, denen die Schrift gegeben ward, ist euch gestattet, und euer Essen ist ihnen gestattet", heißt es im Qur‘ an Sure 5, Al-Ma’ida, Vers 5. Das nimmt nicht weiter wunder, sind doch die Speisevorschriften im jüdisch-christlichen Gesetz in vielem deckungsgleich mit denen der islamischen Šari’a. Wollen wir zuerst betrachten, was der Qur’an den Gläubigen über ihr Essen mitteilt: In Sure 2, Al-Baqara, Vers 172 sagt Allah: „O ihr, die ihr glaubt, eßt an guten Dingen, womit Wir euch versorgten, und dankt Allah, so ihr Ihm dient." Erlaubt sind also die guten Dinge, die Allah gegeben hat. Der darauf folgende Vers (173) führt näher aus: "Er verbot euch nur das Tote und das Blut und das Schweinefleisch und was jemand anderem als Allah geweiht wurde…" In Sure 5, Al-Ma’ida, Vers 3 finden wir außerdem als verboten das Erwürgte, das Erschlagene, das zu Tode Gestürzte, das zu Tode Gestoßene und das von Raubtieren angefressene. Es würde zu weit führen, all die Nahrungsvorschriften des Alten Testaments im Detail hier aufzuführen. Es sollen uns einige wenige Zitate genügen. In 3. Mose 11;7-8 (und dergleichen 5. Mose 14;8) finden wir: „..das Schwein, denn es hat wohl durchgespaltene Klauen, ist aber kein Wiederkäuer; darum soll es euch unrein sein. Vom Fleisch dieser Tiere dürft ihr weder essen noch ihr Aas anrühren; denn sie sind euch unrein." Es ist für uns hier nur das Verbot des Schweinefleisches von Belang, nicht dessen Begründung. In Jesaja 65;2-4 liest man: „Ich streckte meine Hände aus den ganzen Tag nach einem ungehorsamen Volk, das nach seinen eigenen Gedanken wandelt auf einem Wege, der nicht gut ist; nach einem Volk, das mich beständig ins Angesicht kränkt: Sie opfern in den Gärten und räuchern auf Ziegelsteinen, sie sitzen in Gräbern und bleiben über Nacht in Höhlen, essen Schweinefleisch und haben Greuelsuppen in ihren Töpfen…" Und in Jesaja 66;17: „Die sich heiligen und reinigen für das Opfer in den Gärten dem einen nach, der in der Mitte ist, und Schweinefleisch essen, greuliches Getier und Mäuse, die sollen miteinander weggerafft werden, spricht der Herr." Wir sehen also überdeutlich die Verächtlichkeit des Schweinefleischgenusses, der hier zusammen mit dem Verzehr greulichen Getiers und dem Opfer für andere Götter erwähnt wird. Angehörige jüdischer Gemeinden halten sich bis heute an dieses biblische Verbot, und ihre Speise ist dementsprechend auch den Muslimen statthaft. Wie verhält es sich nun aber mit den Christen? Die Christen behaupten, der Glaube an und die Liebe in Christus ersetze das Gesetz. Sie stützen sich dabei auf die paulinischen Lehren wie z.B. im 1. Brief an die Korinther 8;1-13 oder seinem Brief an die Galater 3;19-29. Dies alles steht jedoch in offenem Widerspruch zu dem weiter oben schon erwähnten Matthäus-Zitat (Matthäus 5;17-19): „Ihr sollt nicht wähnen, daß ich gekommen bin, das Gesetz oder die Propheten aufzulösen; ich bin nicht gekommen aufzulösen, sondern zu erfüllen. Denn ich sage euch wahrlich: Bis daß Himmel und Erde vergehe, wird nicht vergehen der kleinste Buchstabe noch ein Tüpfelchen vom Gesetz, bis daß alles geschehe. Wer nun eines von diesen kleinsten Gebo­ten auflöst und lehrt die Leute so, der wird der Kleinste heißen im Himmelreich; wer es aber tut und lehrt, der wird groß heißen im Himmelreich.“ Wie wir aus dem Qur’an (Sure 3, Al ‘Imran, Vers 50) wissen, hat Jesus zwar Veränderungen im Gesetz vorgenommen und den Juden Dinge gestattet, die ihnen zuvor verboten warm, doch hat er ansonsten die Tora bestätigt und das Gesetz in seiner Gültigkeit nicht angetastet. Über die Veränderung des Geistes der Lehre Jesu durch Paulus nach ihm werden wir im Kapitel über die Unzuverlässigkeit der Bibelüberlieferung noch hören. Es wird uns dann deutlich werden, daß das heutige Christentum mehr von Paulus, denn von Jesus geerbt hat.

Schädlichkeit des Alkoholgenusses

Wir stoßen auf zahlreiche Stellen in der Bibel, die den Genuss von Wein und starken Getränken aufs schärfste verurteilen. Ein eindeutiges Verbot gibt es dort aber für diejenigen, die sich eigens dem Gottesdienst geweiht haben. Ähnlich dem qur’anischen Gebot (Sure 4, An-Nisa‘, Vers 43): „O ihr Gläubigen, nähert euch nicht dem Gebet, wenn ihr berauscht seid, bis ihr wisst, was ihr sprecht…", heißt es in 5. Mose 29;5: „Ihr habt kein Brot gegessen und keinen Wein getrunken und kein starkes Getränk, auf daß ihr erkennen solltet, daß ich der Herr, euer Gott, bin.“ In 3. Mose 10;9 wird den Priestern, die sich dem Gottesdienst geweiht haben, das Weintrinken ausdrücklich untersagt: „Du und deine Söhne, ihr sollt weder Wein noch starke Getränke trinken, wenn ihr in die Stiftshütte geht, damit ihr nicht sterbt. Das sei eine ewige Ordnung für alle eure Nachkommen.“

Diese ewige Ordnung hat also auch heute noch ihre Gültigkeit für alle, die dem biblischen Gesetz folgen wollen. In 4. Mose 6;2-3 heißt es: „Sage den Kindern Israel und sprich zu ihnen: Wenn jemand, Mann oder Frau, das besondere Gelübde tut, sich dem Herrn zu weihen, so soll er sich des Weins und starken Getränks enthalten.“ Ähnlich heißt es in Hesekiel 44;21: „Und die Priester sollen keinen Wein trinken, wenn sie in den inneren Vorhof gehen sollen.“

Wenden wir uns aber den Aussagen zu, die für alle Menschen ohne Unterschied gelten. Wir wollen den Qur’an-Vers vorausschicken, der den Gläubigen den Genuss von Alkohol verbietet und ihnen dieses Verbot begründet. In Sure 5, Al-Ma’ida, Vers 90-91 heißt es: „O ihr, die ihr glaubt, der Wein, das Glückspiel, die Götzen und die Lospfeile sind ein Übel vom Werk des Satans, so meidet ihn, damit ihr Erfolg haben könnt. Der Satan will durch Wein und Glückspiel Feindschaft und Hass zwischen euch legen und euch vom Gedenken Allahs und vom Gebet abhalten, wollt ihr dann also aufhören?!“ Hören wir dazu die Sprüche Salomos 23;29-35: „Wo ist Weh? Wo ist Zank? Wo ist Klagen? Wo sind Wunden ohne jeden Grund? Wo man lange beim Wein sitzt und kommt auszusaufen, was eingeschenkt ist. Sieh den Wein nicht an, wie er so rot ist und im Glase so schön steht: Er geht glatt ein, aber danach beißt er wie eine Otter. Da werden deine Augen seltsame Dinge sehen, und dein Herz wird Verkehrtes reden, und du wirst sein wie einer, der auf hoher See sich schlafen legt, und wie einer, der oben im Mastkorb liegt. »Sie schlugen mich, aber es tat mir nicht weh; sie prügelten mich, aber ich fühlte es nicht. Wann werde ich aufwachen? Dann will ich’s wieder so treiben.«“ Wir finden darin genau dieselbe Aussage und obendrein eine brillante Schilderung dessen, was um uns herum vor sich geht. Ein paar weitere Zitate aus den Weisheitssprüchen Salomos sollen hier angeführt werden. Sprüche Salomos 20;1: „Der Wein macht Spötter, und starkes Getränk macht wild, wer davon taumelt wird niemals weise.“ Der Satz „im Wein liegt Wahrheit“ ist heidnischen Ursprungs und hat mit der biblischen Auffassung nicht viel gemein. Überhaupt wird man nach aufmerksamem Bibelstudium feststellen können, daß unser heutiges Christentum mindestens genauso viel wenn nicht noch mehr vom lateinischen und griechischen Heidentum enthält als von der biblischen Lehre. In Sprüche Salomos 23;2021 heißt es: „Sei nicht unter den Säufern und Schlemmern; denn die Säufer und Schlemmer verarmen, und ein Schläfer muss zerrissene Kleider tragen.“ Und in Sprüche Salomos 31;4-7: „Nicht den Königen, Lemuel, ziemt es, Wein zu trinken, nicht den Königen, noch den Fürsten starkes Getränk! Sie könnten beim Trinken des Rechts vergessen und verdrehen die Sache alter elenden Leute. Gebt starkes Getränk denen, die am Umkommen sind, und Wein den betrübten Seelen, daß sie trinken und ihres Elends vergessen und ihres Un­glücks nicht mehr gedenken.“

Alkohol ist also etwas Verachtetes, das gesitte­ten Leuten nicht ziemt. Ihm verfallen die Glücklosen, die Unverständigen, die Gottlo­sen, die nutzlos im Leben sind. In Psalm 75;9 finden wir folgende Aussage: „Denn der Herr hat einen Becher in der Hand, mit starkem Wein voll eingeschenkt. Er schenkt daraus ein, und die Gottlosen auf Erden müssen alle trin­ken und sogar die Hefe schlürfen.“

Jesaja ist voll der Warnungen vor dem Alkoholgenuss. So Jesaja 5;11-12: „Weh denen, die des Morgens früh auf sind, dem Saufen nachzugehen, und sitzen bis in die Nacht, daß sie der Wein erhitzt, und haben Harfen, Zithern, Pauken, Pfeifen und Wein in ihrem Wohlleben, aber sehen nicht auf das Wort des Herrn und schauen nicht auf das Tun seiner Hände! Weh denen, die Helden sind, Wein zu saufen, und wackere Männer, Rauschtrank zu mischen, die den Schuldigen gerecht sprechen für Geschenke und das Recht nehmen denen, die im Recht sind!“ Und in Jesaja 28;7-8: „Aber auch diese sind vom Wein toll geworden und taumeln von starkem Getränk. Priester und Propheten sind toll von starkem Getränk, sind vom Wein verwirrt. Sie taumeln von starkem Getränk, sie sind toll beim Weissagen und wanken beim Rechtsprechen. Denn alle Tische sind voll Gespei und Unflat an allen Orten!" Bei den hier erwähnten Propheten handelt es sich freilich um Weissager und falsche Propheten. Lukas 1;15 beschreibt uns hingegen, wie es sich mit einem rechtschaffenen Gottesdiener verhalten sollte. Über Johannes heißt es dort: „Denn er wird groß sein vor seinem Herrn; Wein und starkes Getränk wird er nicht trinken und wird schon von Mutterleibe an erfüllt werden mit dem heiligen Geist.“

Bei Jesaja 56;10-12 haben wir ebenfalls eine gute Kennzeichnung der Mentalität der Genusssüchtigen: „Alle ihre Wächter sind blind, sie wissen alle nichts. Stumme Hunde sind sie, die nicht bellen können, sie liegen und jappen und schlafen gerne. Aber es sind gierige Hunde, die nie satt werden können. Das sind die Hirten, die keinen Verstand haben; ein jeder sieht auf seinen Weg, alle sind auf ihren Gewinn aus und sagen: Kommt her, ich will Wein holen, wir wollen uns vollsaufen, und es soll morgen sein wie heute und noch viel herrlicher!“ Bei Hosea 4;10-11 lesen wir, was durchaus auch in die heutige Zeit passen würde: „Sie werden essen und nicht satt werden, Hurerei treiben und sich nicht mehren, weil sie den Herrn verlassen haben und ihn nicht achten. Hurerei, Wein und Trunk machen toll.“

Und bei Micha 2;11: „Wenn ich ein Irrgeist wäre und ein Lügenprediger und predigte, wie sie saufen und schwelgen sollen – das wäre ein Prediger für dies Volk!“ Wir wissen, daß der Genuss von Wein mittlerweile zum Bestandteil des christlichen Gottesdienstes geworden ist. Doch auch in der Frühzeit des Christentums war der Wein noch verpönt. Paulus schreibt in seinem Brief an die Epheser (5;18): „Und saufet euch nicht voll Wein, daraus ein unordentlich Wesen folgt, sondern werdet voll Geistes." Den Umgang mit Menschen, die sich eines Vergehens schuldig machen, das heute häufig schon nicht mehr als tadelnswert betrachtet wird, untersagt er seiner Gemeinde ausdrücklich. In seinem 1. Brief an die Korinther lesen wir (5;11): „Vielmehr schrieb ich euch: ihr sollt nicht mit einem zu schaffen haben, der sich 1äßt einen Bruder nennen und ist ein Unzüchtiger oder ein Geiziger oder ein Götzendiener oder ein Lästerer oder ein Trunkenbold oder ein Räuber; mit dem sollt ihr auch nicht essen.“ Etwas später sagt er im selben Brief (6;9-10): „Weder die Unzüchtigen noch die Götzendiener noch die Ehebrecher noch die Weichlinge noch die Knabenschänder noch die Diebe noch die Geizigen noch die Trunkenbolde noch die Lästerer noch die Räuber werden das Reich Gottes ererben.“
 
 
Die Vielehe

In Sure 4, An-Nisa‘, Vers 3 gestattet Allah den Gläubigen, bis zu vier Frauen zu heiraten, geknüpft an die Bedingung, diese allesamt gerecht zu behandeln. Wer fürchtet, er könne keine Gerechtigkeit zwischen ihnen walten lassen, der solle sich mit einer Frau begnügen. In Vers 23 derselben Sure gibt Allah Einschränkungen dieser Erlaubnis dahingehend, daß bestimmte Verwandtschaftsbeziehungen eine Heirat ausschließen. Um ebensolche Einschränkungen handelt es sich nun bei folgendem Zitat aus 3. Mose 18;17-18: „Du sollst nicht mit einer Frau und mit ihrer Tochter Umgang haben, noch mit ihres Sohnes Tochter oder ihrer Tochter Tochter; denn sie sind ihre Blutsverwandten, und es ist eine Schandtat. Du sollst die Schwester deiner Frau nicht zur Nebenfrau nehmen und mit ihr Umgang haben, solange deine Frau noch lebt.“ Es geht bei diesem Zitat um Einschränkungen der zugelassenen Ehe mit mehr als einer Frau. Es geht hier nicht um außereheliche Beziehungen, die ohnehin strikt untersagt sind (l. Mose 20;14 und 5. Mose S;18). Es wird in der hier zitierten Stelle ja auch deutlich von Nebenfrau gesprochen. Aus der Tatsache, daß Personen bestimmten Verwandtschaftsverhältnisses davon ausgeklammert werden, als zweite Frau geehelicht zu werden, ergibt sich notwendigerweise, daß die Mehrehe in der Regel, abgesehen von diesen Ausnahmen, zulässig ist. Eine Begrenzung der Zahl der Frauen, ähnlich der qur’anischen Begrenzung auf vier, finden wir in der biblischen Überlieferung nicht. Dem Zeugnis über die früheren Propheten entnehmen wir ebenfalls, daß es zulässige Praxis war, mehrere Frauen zu ehelichen. In 1. Chronik 14;3 steht: „Und David nahm noch mehr Frauen zu Jerusalem und zeugte noch mehr Söhne und Töchter.“ Über die Gültigkeit alttestamentarischer Bestimmungen auch nach der Entsendung Jesu haben wir bereits Matthäus 5;17-19 zitiert.
 
Allah hat das Zinsnehmen aufs schärfste verurteilt. „Allah macht den Zins zunichte und die Spenden gewinnträchtig“, sagt Er in Vers 176 der Sure 2, Al-Baqara, und im vorangehenden Vers: „Allah hat den Handel gestattet und den Zins verboten.“ Das Wort für Zins in diesen Versen bezeichnet jeden Vermögensvorteil ohne dafür erbrachte Leistung. Diese Ausnutzung menschlicher Notlagen und die ungerechte Aneignung fremden Vermögens ziehen Allahs Zorn auf sich. In Sure 2, Al-Baqara, Vers 178 wird all denen, die davon nicht ablassen, Krieg von Allah und Seinem Gesandten angekündigt. Das westliche Wirtschaftssystem gründet weitgehend auf Zins und dergleichen Praktiken, das Gesellschaftssystem krankt an den daraus entspringenden Übeln. Hierfür allerdings gibt es keine biblische Grundlage. In 5. Mose 23;20 heißt es vielmehr: „Du sollst von deinem Bruder nicht Zinsen nehmen, weder für Geld noch für Speise noch für alles, wofür man Zinsen nehmen kann.“ Der darauf folgende Satz „von dem Ausländer darfst du Zinsen nehmen, aber nicht von deinem Bruder, auf daß dich der Herr, dein Gott, segne in allem, was du unternimmst in dem Lande, dahin du kommst, es einzunehmen“, ist wohl eher eine dem jüdischen Stolz entstammende Hinzufügung. Im Qur’an (Sure 3, Al ’Imran, Vers 75) teilt uns Allah mit, daß sie „sagen, in Bezug auf die Schriftunkundigen gibt es nichts gegen uns vorzubringen; und sie sprechen wissentlich Lüge gegen Allah“. Aber selbst wenn der zweite Satz aus 5. Mose 23;2021 als authentisch betrachtet würde, dürften die Juden (und dergleichen die Christen) nur von jenen Zins nehmen, die nicht ihrem Bekenntnis angehören. Die gegenseitige Ausbeutung unter ihnen kennt jedoch keine Grenzen und wird in Hesekiel 22;12 wie folgt beschrieben: „Sie lassen sich bestechen, um Blut zu vergießen. Du nimmst Zinsen und Aufschlag und suchst ungerechten Gewinn an deinem Nächsten mit Gewalt – und mich vergisst du! spricht Gott der Herr.“

In Hesekiel 18;8-9 wird uns dagegen das rechte Verhalten geschildert: „…der nicht auf Zinsen gibt und keinen Aufschlag nimmt, der seine Hand vom Unrecht zurückhält und rechtes Urteil fällt unter den Leuten, der nach meinem Gesetzen lebt und meine Gebote hält, daß er danach tut: das ist ein Gerechter, der soll das Leben behalten, spricht Gott der Herr.“ Ähnlich wird in Psalm 15;5 als Gott wohlgefällig gelobt, „…wer sein Geld nicht auf Zinsen gibt und nimmt nicht Geschenke wider den Unschuldigen.“ 

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