Das Zeugnis der Bibel
 

Die Behauptung der Gottessohnschaft

„O Volk der Schrift, überschreitet in eurer Religion die Grenzen nicht und sagt über Allah nichts als die Wahrheit. Der Messias Jesus, der Sohn der Maria, ist Allahs Gesandter und Sein der Maria gegebenes Wort und Geist von Ihm. So glaubt an Allah und Seine Gesandten und sprecht nicht von einer Dreiheit. Hört auf, das ist besser für euch. Allah ist ein einziger Gott. Erhaben ist Er darüber, daß er einen Sohn ha­ben sollte. Ihm gehört, was in den Himmeln und was auf Erden ist. Und Allah genügt als Sachwalter.“ Mit diesen klaren Aussagen aus Sure 4, An-Nisa‘, Vers 171 wollen wir unsere Betrachtungen über die angebliche Gottessohnschaft Jesu beginnen. Allah weist jede Form dieser Behauptung deutlich zurück. In Sure 5, Al-Ma’ida, Vers 17 sagt Er: "Jene sind bereits ungläubig geworden, die sagen Allah ist der Messias, der Sohn der Maria. Sprich: Wer hat eine Vollmacht von Allah, wenn Er den Messias, den Sohn der Maria, und dessen Mutter und alle, die auf Erden sind, vernichten wollte?…“ Wir erkennen aus diesen Worten deutlich den unleugbaren, unüberwindbaren Unterschied zwischen dem Schöpfer und Seiner Schöpfung. Allah ist all-, wir sind ohnmächtig. Selbst die geehrtesten unter Seinen Geschöpfen, wie die Propheten oder die Engel, sind von Ihm allein abhängig und nicht zu stolz, Ihm zu dienen. „Weder der Messias verschmäht es, ein Sklave von Allah zu sein, noch die nahe gebrachten Engel…“, heißt es in Sure 4, An-Nisa‘, Vers 172.

Dass der Mensch zu Seinem Schöpfer nur in diesem Verhältnis der Abhängigkeit und Minderwertigkeit stehen und Ihm gegenüber in keiner Hinsicht überheblich sein kann, finden wir in überaus deutlicher Form in Hiob beschrieben. In Hiob 15;14-15 heißt es: „Was ist der Mensch, daß er rein sein sollte; und daß der gerecht sein sollte, der vom Weibe geboren ist? Siehe, seinen Heiligen traut Gott nicht, und selbst die Himmel Bind nicht rein vor ihm.“ Und desgleichen werden wir in Hiob 14;4 erinnert, daß wer als Mensch geboren ist, keine Göttlichkeit und Reinheit in Anspruch nehmen kann: „Kann wohl ein Reiner kommen von Unreinen? Auch nicht einer!’“ Hiob 25;4-6 enthält dieselbe Aussage: „Und wie kann ein Mensch gerecht sein vor Gott? Und wie kann rein sein ein vom Weibe Geborener? Siehe, auch der Mond scheint nicht hell, und die Sterne sind nicht rein vor seinen Augen – wie viel weniger der Mensch, eine Made, und das Menschenkind, ein Wurm!“

Es ist freilich zutreffend, daß in der Bibel von Gottessöhnen, ja gar von Göttern gesprochen wird. Wir wollen die in den nachfolgend zitierten Bibelstellen enthaltenen Aussagen nicht im einzelnen untersuchen, denn vieles davon passt so ganz und gar nicht zu der Klarheit einer Offenbarungsreligion und entstammt eher minderbegabter menschlicher Phantasie. So lesen wir zum Beispiel in 1. Mose 6;1-4: „Als aber die Menschen sich zu mehren begannen auf Erden und ihnen Töchter geboren warden, da sahen die Gottessöhne, wie schön die Töchter der Menschen waren, und nahmen sich zu Frauen, welche sie wollten. Da sprach der Herr: Mein Geist soll nicht immerdar im Menschen walten, denn auch der Mensch ist Fleisch. Ich will ihm als Lebenszeit geben hundertundzwanzig Jahre. Zu der Zeit und such später noch , als die Gottessöhne zu den Töchtern der Menschen eingingen und sie ihnen Kinder gebaren, warden daraus die Riesen auf Erden. Das sind die Helden der Vorzeit, die hochberühmten.“ Wichtig soll für uns aber lediglich sein, daß der Gebrauch des Begriffes Gottessohn recht häufig ist, und nicht erst im Zusammenhang mit Jesus auftaucht. Zumeist hat er aber bloß die Bedeutung eines rechtschaffenen, gottesfürchtigen Menschen, der in Gottes Wegen wandelt. Wir erkennen dies deutlich aus einem Vergleich zwischen Matthäus 27;54 und Lukas 23;47. In Matthäus 27;54 lesen wir: „Aber der Hauptmann und die bei ihm waren und Jesus bewachten, da sie sahen das Erdbeben und was da geschah, erschraken sie sehr und sprachen: Wahrlich, dieser ist Gottes Sohn gewesen!“ Dieselbe Aussage liest sich bei Lukas 23;47 wie folgt: „Da aber der Hauptmann sah, was da geschah, pries er Gott und sprach: Fürwahr, dieser ist ein frommer Mensch gewesen!“ In diesem Licht wollen wir nun die zahlreichen Bibelstellen betrachten, die von Gottessöhnen und Göttern handeln.

In 2. Mose 4;16 heißt es über Aaron: „Und er soll für dich zum Volk reden; er soll dein Mund sein, und du sollst für ihn Gott sein.“ Gott beschreibt hier das Befehlsverhältnis zwischen Moses und Aaron. Mit Sicherheit gesellt Er Sich hier nicht Selbst jemanden als Nebengott bei, dem Er zuvor geboten hat, niemandem als Gott zu dienen denn Ihm. Auch aus Johannes 10;33-36 geht überdeutlich hervor, daß derartige Formulierungen nicht wörtlich aufzufassen sind: „Die Juden antworteten ihm: Um eines guten Werkes willen steinigen wir dich nicht, sondern um der Gotteslästerung willen und weil du als Mensch dich selber zu Gott machst. Jesus antwortete ihnen: Steht nicht geschrieben in eurem Gesetz (Psalm 82;6): »Ich habe gesagt: Ihr seid Götter«? Wenn er Götter die nennt, zu welchen das Wort Gottes geschah – und die Schrift kann doch nicht gebrochen werden -, wie sprecht ihr denn zu dem, den der Vater geheiligt und in die Welt gesandt hat: Du lästerst Gott, – weil ich sagte: Ich bin Gottes Sohn?“ Dass nun also auf ganz wenigen Stellen des Neuen Testaments, wo von Jesus als einem "Gottessohn" die Rede ist, das Gebäude der Dreieinigkeit aufgebaut wird, ist, bei Betrachtung der zahlreichen anderen Stellen, in denen von anderen Gesandten und gewöhnlichen Gläubigen als „Gottessöhnen" gesprochen wird, absurd. So lesen wir in 2. Mose 4;22: „Und du sollst zu ihm sagen: So spricht der Herr: Israel ist mein erstgeborener Sohn.“ Über David heißt es in Psalm 89;27-28: „Er wird mich nennen: Du bist mein Vater, mein Gott und Hort, der mir hilft. Und ich will ihn zum erstgeborenen Sohn machen, zum Höchsten unter den Königen auf Erden.“ Dann steht in Jeremia 31;9: „…denn ich bin Israels Vater, und Ephraim ist mein erstgeborener Sohn.“ Der Satz aus 1. Chronik 17;13: „Ich will sein Vater sein, und er soll mein Sohn sein“, den christliche Theologen gern auf Jesus beziehen, bezieht sich in Wirklichkeit auf Salomo, wie derselbe Satz in 2. Samuel 7;14 beweist. Noch deutlicher wird das aber in 1. Chronik 22;9-10: „Siehe, der Sohn, der dir geboren werden soll, der wird ein Mann der Ruhe sein; denn ich will ihm Ruhe schaffen vor allen seinen Feinden ringsumher. Er soll Salomo heißen; denn ich will Israel Frieden und Ruhe geben, solange er lebt. Der soll meinem Namen ein Haus bauen. Er soll mein Sohn sein, und ich will sein Vater sein. Und ich will seinen königlichen Thron über Israel bestätigen ewiglich.“ Wir haben nun also bereits Israel, David, Ephraim und Salomo in der Reihe der "Gottessöhne". In 5. Mose 14;1 kommen die übrigen Gläubigen hinzu: „Ihr seid Kinder des Herrn, eures Gottes,“ und in 5. Mose 32;56 werden die Ungläubigen und Missetäter ausgeschlossen: „Das verkehrte und böse Geschlecht hat gesündigt wider ihn; sie sind Schandflecken und nicht seine Kinder. Dankst du so dem Herrn, deinem Gott, du tolles und törichtes Volk? Ist er nicht dein Vater und dein Herr? Ist’s nicht er allein, der dich gemacht und bereitet hat?“ Die Definition des biblischen Begriffes des Gottessohnes ist damit eigentlich schon ziemlich klar. Wir wollen drei weitere Zitate des Alten Testaments anfügen: Jesaja 45;11-12: „So spricht der Herr, der Heilige Israels und sein Schöpfer: Wollt ihr mich zur Rede stellen wegen meiner Söhne? Und wollt ihr mir Befehl geben wegen des Werks meiner Hände? Ich habe die Erde gemacht und den Menschen auf ihr geschaffen. Ich bin’s, dessen Hände den Himmel ausgebreitet haben und der seinem ganzen Heer geboten hat.“ Jesaja 64;7: „Aber nun, Herr, du bist doch unser Vater! Wir sind Ton, du bist unser Töpfer, und wir alle sind deiner Hände Werk.“ Und schließlich Psalm 82;6-7, der deutlich macht, daß trotz dieses Ehrennamens für die Schöpfung sich nichts an der grundsätzlichen Abhängigkeit vom Schöpfer geändert hat: „Wohl habe ich gesagt: Ihr seid Götter und allzumal Söhne des Höchsten; aber ihr werdet sterben wie Menschen und wie ein Tyrann zugrunde gehen.“

Auch im Neuen Testament steht „Kind Gottes“ als eine ehrende Bezeichnung für Geschöpf Gottes. In Matthäus 5;9 heißt es: „Selig sind die Friedfertigen; denn sie werden Gottes Kinder heißen,“ was ohne Zweifel auf alle Menschen Anwendung findet. Eine spezifische „Vaterschaft“ Gottes für irgendjemanden gibt es nicht. Gott ist aller Menschen Fürsorger. Nur in diesem Sinne wird er im Neuen Testament Vater genannt, so in Matthäus 5;16: „So soll euer Licht leuchten vor den Leuten, daß sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen.“ Es gibt bei einer Betrachtung der Evangelien keine Zweifel, daß Jesus, der am häufigsten als „des Menschen Sohn“ bezeichnet wird, zwar Gesandter Gottes, ansonsten aber Mensch wie jeder andere ist. Matthäus 8;20 zeigt dies auf: „Jesus sagte zu ihm: Die Füchse haben Gruben, und die Vögel unter dem Himmel haben Nester; aber des Menschen Sohn hat nicht, wo er sein Haupt hinlege.“ Auch der Satz in Matthäus 27;46, den ich jedoch kaum als authentisch betrachten kann, bringt Ohnmacht des Geschöpfes gegenüber dem Schöpfer zum Ausdruck und negiert, würde man ihn als zuverlässige Überlieferung betrachten, jede Möglichkeit einer irgendwie gearteten Einheit zwischen Gott und Jesus, zwischen dem Mächtigen und dem Ohnmächtigen: „Und um die neunte Stunde schrie Jesus laut und sprach: Eli, Eli, lama asabthani? das ist: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ Matthäus 5;24 mahnt: „Niemand kann zwei Herren dienen.“ Deshalb finden wir in Matthäus 10;24-25 die folgende Aussage: „Der Jünger ist nicht über den Meister noch der Knecht über seinen Herrn. Es ist dem Jünger genug, daß er sei wie sein Meister und der Knecht wie sein Herr.“ Der Mensch kann also versuchen, sich die Barmherzigkeit Allahs vergegenwärtigend barmherzig zu sein, sich Seine Güte vergegenwärtigend gütig zu sein, und so fort, er kann also dem guten Beispiel seines Herrn nacheifern, aber sein Herr wird stets über ihm stehen. Zu diesem Nacheifern werden wir in Matthäus 5;48 angehalten: „Darum sollt ihr vollkommen sein, gleichwie euer Vater im Himmel vollkommen ist.“ Niemand aber würde sich aufgrund dieser Aufforderung anmaßen, göttliche Vollkommenheit für sich in Anspruch zu nehmen. Auch Jesus hat das nie getan. Im Gegenteil, er verwahrte sich dagegen und mahnte die Leute, nicht ihn zu preisen, sondern Den, Der ihn entsandte. In Sure 5, Al-Ma’ida, Vers 116 wird uns dies, bezugnehmend auf das Jüngste Gericht, berichtet: „Und als Allah sprach, o Jesus, Sohn der Maria, hast du zu den Menschen gesagt, nehmt mich und meine Mutter zu Göttern neben Allah? Er sagte, gepriesen bist Du, es steht mir nicht an, zu sagen, wozu ich kein Recht habe.“ In Matthäus 10;40 wird uns berichtet, er habe zu seinen Jüngern gesagt: „Wer euch aufnimmt, der nimmt mich auf; und wer mich aufnimmt, der nimmt den auf, der mich gesandt hat.“ Der parallele Satzbau dieser Stelle zeigt, daß er zwischen Allah und sich als Gesandtem einen ebenso deutlichen Unterschied macht wie zwischen sich und seinen Jüngern. In Matthäus 23;8-9 gebietet er nach Aussage des Evangeliums seinen Jüngern: „Aber ihr sollt euch nicht Rabbi nennen lassen; denn einer ist euer Meister; ihr aber seid alle Brüder. Und ihr sollt niemand euren Vater heißen auf Erden; denn einer ist euer Vater, der im Himmel ist." Die Menschen aber, die Jesu Wirken sahen und nicht verstehen konnten, daß Allah durch ihn wirkte, verdrehten die Sache und machten ihn selbst zum Gott. Dies ist uns in Lukas 8;39 bezeugt, wo es heißt: „Gehe wieder heim und sage, wie große Dinge dir Gott getan hat. Und er ging hin und verkündigte durch die ganze Stadt, wie große Dinge ihm Jesus getan hatte.“ Jesus selbst verbot den Menschen, derartig falsches von ihm zu behaupten. In Lukas 9;20 finden wir einen Hinweis darauf: „Er aber sprach zu ihnen: Wer saget ihr aber, daß ich sei? Da antwortete Petrus und sprach: Du bist der Christus Gottes! Und er bedrohte sie und gebot, daß sie das niemand sagten.“ Der Text ist zuerst verwirrend. Wieso sollte Jesus den Leuten verbieten, die Wahrheit zu sagen? Das vereinbart sich nicht mit dem in Matthäus 10;26-36 geforderten Bekennermut. Die Sache wird verständlicher, wenn wir uns die Formulierung in Matthäus 16;16 betrachten, wo die Jesus gegebene Antwort lautet: „Du bist Christus, des lebendigen Gottes Sohn.“ Er verbietet ihnen also eine solche falsche Behauptung. Mir scheint es aber bei diesen Versen um etwas ganz anderes zu gehen, nämlich um die Frage des verheißenen letzten Propheten, für den manche Jesus halten, was er ihnen untersagt zu behaupten (siehe Kapitel Prophezeiungen über das Siegel der Propheten Muhammad – Allahs Segen und Frieden über ihn in diesem Buch). Denn in Markus 8;27-30 herrscht einige Verwirrung darüber, wer Jesus sei (vgl. auch Matthäus 22;41-46). Wie immer der Sachverhalt auch sei, Jesus hat die Menschen seiner Zeit eindringlich ermahnt, über ihn nichts als die Wahrheit zu sagen, daß er Gottes Gesandter ist, und nichts sonst. Ein weiteres Beispiel dafür haben wir in Lukas 11;27-28: „Und es begab sich, da er solches redete, erhob eine Frau im Volk die Stimme und sprach zu ihm: Selig ist der Leib, der dich getragen hat, und die Brüste, die du gesogen hast. Er aber sprach: Ja, selig sind, die das Wort Gottes hören und bewahren.“ Diese Stelle spricht deutlich gegen den vor allem im Katholischen stark verbreiteten Marienkult. Im Deutschland Luthers konnte man den Muslimen vorhalten, sie hätten die Dreieinigkeit falsch verstanden als eine Dreiheit zwischen Gott, Jesus und Maria, wo es doch eine Dreiheit zwischen Gott, Jesus und dem Heiligen Geist sei. Viele Zweige des katholischen Glaubens weisen aber Maria in ihrer Lehre eine weit größere Rolle zu als dem Heiligen Geist. Ihre zentrale Bedeutung und Verehrung als „Mutter Gottes“ im Katholischen tritt am Beispiel der Auseinandersetzung der Römisch-Katholischen Kirche mit dem französischen Erzbischof Lefèvre überaus klar hervor.

Aber zurück zu unserer Bibelbetrachtung. Zahlreiche weitere Stellen belegen, daß Jesus die Menschen nicht seine Göttlichkeit, sondern sein Menschsein gelehrt hat. In Johannes 5;30 sagt er: „Ich kann nichts von mir selber tun. Wie ich höre, so richte ich, und mein Gericht ist recht; denn ich suche nicht meinen Willen, sondern den Willen des, der mich gesandt hat." Ähnlich in Johannes 7;16-18: „Jesus antwortete ihnen und sprach: Meine Lehre ist nicht mein, sondern des, der mich gesandt hat. Wenn jemand will des Willen tun, der wird innewerden, ob diese Lehre von Gott sei, oder ob ich von mir selbst rede. Wer von sich selbst redet, der sucht seine eigene Ehre; wer aber sucht die Ehre des, der ihn gesandt hat, der ist wahrhaftig, und ist keine Ungerechtigkeit an ihm.“ Johannes 7;28 führt die Dreieinigkeit ad absurdum, denn dort spricht Jesus: „Aber von mir selbst bin ich nicht gekommen, sondern es ist ein Wahrhaftiger, der mich gesandt hat, welchen ihr nicht kennet.“ So auch in Johannes 8;41-43, einer Stelle, der wir auch Jesu Ärgernis darüber entnehmen können, daß die Leute ihn missverstehen: „Da sprachen sie zu ihm: Wir sind nicht unehelich geboren; wir haben einen Vater, Gott. Jesus sprach zu ihnen: Wäre Gott euer Vater, so liebtet ihr mich, denn ich bin ausgegangen und komme von Gott; denn ich bin nicht von mir selber gekommen, sondern er hat mich gesandt. Warum versteht ihr denn meine Sprache nicht? Weil ihr sein Wort nicht könnt hören!“ In Johannes 13;16 hebt er den Unterschied zwischen Gott, der ihn gesandt hat und ihm, dem Knecht Gottes, hervor: „Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Der Knecht ist nicht größer als sein Herr, noch der Apostel größer als der, der ihn gesandt hat.“ Diesen Unterschied zwischen Gott und Gesandtem haben wir auch bei Johannes 17;3-5 vor Augen: „Das ist aber das ewige Leben, daß sie dich, der du allein wahrer Gott bist, und den du gesandt hast, Jesus Christus, erkennen. Ich habe dich verherrlicht auf Erden und vollendet das Werk, das du mir gegeben hast, daß ich es tun sollte. Und nun verherrliche mich du, Vater, bei dir selbst mit der Klarheit, die ich bei dir hatte, ehe die Welt war.“ Jesus hielt sich also offensichtlich an das alttestamentarische Gebot, das in Hosea 13;4 wiedergegeben wird: „Ich aber bin der Herr, dein Gott, von Ägyptenland her, und du solltest keinen andern Gott kennen als mich und keinen Heiland als allein mich.“ Er erliegt nicht der Versuchung, sich selbst zum Gott zu machen; Matthäus 4;10 (desgleichen Lukas 4;8) bezeugt uns dies: „Da sprach Jesus zu ihm: Hebe dich weg von mir, Satan! denn es steht geschrieben (5. Mose 6;13): »Du sollst anbeten Gott, deinen Herrn, und ihm allein dienen.«“ Doch die Menschen verstehen seine Worte nicht und handeln in seinem Namen, anstatt im Namen Dessen, Der ihn gesandt hat. Johannes 15;20-21: „Gedenket an mein Wort, das ich euch gesagt habe: Der Knecht ist nicht größer als sein Herr. Haben sie mich verfolgt, so werden sie euch auch verfolgen; haben sie mein Wort gehalten, so werden sie eures auch halten. Aber das alles werden sie euch tun um meines Namens willen; denn sie kennen den nicht, der mich gesandt hat.“ In Matthäus 7;21-23 sagt sich Jesus ausdrücklich los von all jenen, die das tun: „Es werden nicht alle, die zu mir sagen: Herr, Herr! in das Himmelreich kommen, sondern die den Willen tun meines Vaters im Himmel. Es werden viele zu mir sagen an jenem Tage: Herr, Herr, haben wir nicht in deinem Namen geweissagt? Haben wir nicht in deinem Namen böse Geister ausgetrieben? Haben wir nicht in deinem Namen viele Taten getan? Dann werde ich ihnen bekennen: Ich habe euch nie gekannt; weichet von mir, ihr Übeltäter!" Seine Verärgerung darüber kommt auch in Lukas 6;46 zum Ausdruck, wo steht: "Was heißt ihr mich aber Herr, Herr, und tut nicht, was ich euch sage?“

Die Behauptung von der Gottessohnschaft Jesu, die die christliche Kirche heute vertritt, ist also eine freie Erfindung, für die es weder im Alten noch im Neuen Testament eine stichhaltige Grundlage gibt. Hören wir den Qur’an dazu (Sure 9, At-Tauba, Vers 30): „Und die Juden sagen, Ezra ist der Sohn Allahs, und die Christen sagen, der Messias ist der Sohn Allahs; das ist, was sie mit ihrem Mund daherreden…“ In Sure 112, Al-Ikhlas, lehrt uns Allah die Wahrheit: „Sprich Er, Allah, ist einer, Allah ist der Immerwährende, Er zeugt nicht noch ward Er gezeugt, und keiner ist Ihm ebenbürtig."

Die Behauptung von der Kreuzigung Jesu

„…und sie töteten ihn nicht und sie kreuzigten ihn nicht, sondern es schien ihnen so. Jene, die darüber streiten, sind (selbst) im Zweifel darüber. Sie haben darüber kein Wissen, sondern folgen nur der Mutmaßung. Und sie töteten ihn nicht mit Gewissheit, sondern Allah erhöhte ihn zu Sich…“ Sure 4, An-Nisa‘, Vers 157-158, teilt uns die Wahrheit über Jesus mit: daß die Juden Jesus weder töteten noch kreuzigten, daß sie in dieser Sache kein Wissen haben und lediglich annehmen, er sei gekreuzigt worden, ohne darüber Gewissheit zu haben, und daß Allah ihn stattdessen vor dem Tod am Kreuze bewahrte und ihn zu Sich erhöhte. Der Kreuzestod ist ein schmachvoller Tod; in Sure 5, Al-Ma’ida, Vers 33 schreibt Allah diesen Tod jenen zu, die Allah und Seine Gesandten bekriegen. Er wird deshalb Seine auserwählten Gesandten keinen derartigen Tod erleiden lassen. Entsprechend heißt es in 5. Mose 21;22-23: „Wenn jemand eine Sünde getan hat, die des Todes würdig ist, und wird getötet und man hängt ihn an ein Holz, so soll sein Leichnam nicht über Nacht an dem Holze bleiben, sondern du sollst ihn am selben Tage begraben – denn ein Aufgehängter ist verflucht bei Gott -, auf daß du dein Land nicht unrein machst, das dir der Herr, dein Gott, zum Erbe gibt.“ Gott flucht Seinen Propheten nicht, und schon alleine deshalb kann die ganze Sache mit der Kreuzigung Jesu nicht stimmen. Nun behaupten die christlichen Theologen, Gott habe Seinem angeblichen Sohn (siehe vorangehendes Kapitel) geflucht, so daß er für die Sünden der Menschheit büße. Auch dieser Unsinn der Erlösung von der „Erbsünde“ widerspricht dem alttestamentarischen Gesetz. In 5. Mose 24;16 heißt es: „Die Väter sollen nicht für die Kinder noch die Kinder für die Väter sterben, sondern ein jeder soll für seine Sünde sterben.“ Ähnlich lautet Hesekiel 18;20: „Denn nur wer sündigt, der soll sterben. Der Sohn soll nicht tragen die Schuld des Vaters, und der Vater soll nicht tragen die Schuld des Sohnes, sondern die Gerechtigkeit des Gerechten soll ihm allein zugute kommen, und die Ungerechtigkeit des Ungerechten soll auf ihm allein liegen.“ Dies deckt sich mit der qur’anischen Aussage, daß niemand die Last eines anderen trägt (Qur’an Sure 6, Al-An’am, Vers 164; Sure 17, AI-Isra‘, Vers 15; Sure 35, Fatir, Vers 18; Sure 39, Az-Zumar, Vers 7; Sure 53, An-Nagm, Vers 38.)

Die Unzuverlässigkeit der Bibelüberlieferung

Wer die Bibel aufmerksam liest, wird darin eine Reihe von Widersprüchen und Ungereimtheiten finden. So heißt es zum Beispiel in der Schöpfungsgeschichte (1. Mose 2;2): „So vollendete Gott am siebenten Tage seine Werke, die er machte, und ruhte am siebenten Tage von allen seinen Werken, die er gemacht hatte.“ In Jesaja 40;28 finden wir hingegen, was mehr mit der Wahrheit in Einklang steht und der Aussage des bekannten Thronverses im Qur’an (aya al-kursi, Sure 2, Al-Baqara, Vers 255) entspricht: „Weißt du nicht? Hast du nicht gehört? Der Herr, der ewige Gott, der die Enden der Erde geschaffen hat, wird nicht müde noch matt, sein Verstand ist unausforschlich.“ In zwei unmittelbar aufeinander folgenden Kapiteln (1. Mose 1 und 1. Mose 2) finden wir eine unterschiedliche Reihenfolge des Schöpfungsablaufs, selbst die zehn Gebote, der Kern des Gesetzes, kennen in 2. Mose 20 eine andere Fassung als in 5. Mose 5, weder Reihenfolge noch Zeitangaben stimmen beim Geschlechtsregister Jesu in Matthäus 1;1-17 und Lukas 3;23-38 überein, und schlägt man die im Neuen Testament vorkommenden Zitate aus dem alten Testament dort nach, so wird man in keinem einzigen der Fälle einen Gleichlautenden Wortlaut finden. Es ist augenscheinlich, daß es sich bei der Textsammlung der Bibel nicht um unverfälschtes Gotteswort handeln kann, denn (Sprüche Salomos 30;5-6): „Alle Worte Gottes sind durchläutert; er ist ein Schild denen, die auf ihn trauen. Tu nichts zu seinen Worten hinzu, daß er dich nicht zur Rechenschaft ziehe und du als Lügner dastehst.“ Doch die, denen die Schrift gegeben worden war, hielten sich nicht an diese Mahnung, weshalb wir Jeremia (8;8-11) sprechen hören: „Wie könnt ihr sagen: »Wir sind weise und haben das Gesetz des Herrn bei uns«? Ist’s doch lauter Lüge, was die Schreiber daraus machen. Die Weisen müssen zuschanden, erschreckt und gefangen werden; denn was können sie Weises lehren, wenn sie des Herrn Wort verwerfen? Darum will ich ihre Frauen den Fremden geben und ihre Äcker denen, durch die sie verjagt werden. Denn sie gieren alle, klein und groß, nach unrechtem Gewinn; Priester und Propheten gehen alle mit Lüge, um und heilen den Schaden meines Volks nur obenhin, indem sie sagen: »Friede! Friede!«, und ist doch nicht Friede."

Der Fluch Gottes für jene, die Seine Worte und Seine Schrift verwerfen und für billiges Geld verkaufen, hat sich in der Geschichte erfüllt. Er hat sich für die Juden so erfüllt, wie es in Micha 3;9-12 nachzulesen ist: „So höret doch dies, ihr Häupter im Hause Jakob und ihr Herren im Hause Israel, die ihr das Recht verabscheut und alles, was gerade ist, krumm macht; die ihr Zion mit Blut baut und Jerusalem mit Unrecht – seine Häupter richten für Geschenke, seine Priester lehren für Lohn und seine Propheten wahrsagen für Geld – und euch dennoch auf den Herrn verlasst und sprecht: »Ist nicht der Herr unter uns? Es kann kein Unglück über uns kommen«: Darum wird Zion um euretwillen wie ein Acker gepflügt werden, und Jerusalem wird zu Steinhaufen werden und der Berg des Tempels zu einer Höhe wilden Gestrüpps.“ Doch nicht nur die Juden, auch die Christen gingen mit dem göttlichen Gesetz recht fahrlässig und achtlos um, obwohl ihnen, wie bereits zitiert, in Matthäus 5;17-19 geboten wurde, das Gesetz bis ins Kleinste zu halten: „Ihr sollt nicht wähnen, daß ich gekommen bin, das Gesetz oder die Propheten aufzulösen; ich bin nicht gekommen aufzulösen, sondern zu erfüllen. Denn ich sage euch wahrlich: Bis daß Himmel und Erde vergehe, wird nicht vergehen der kleinste Buchstabe noch ein Tüpfelchen vom Gesetz bis daß alles geschehe. Wer nun eines von diesen kleinsten Geboten auflöst und lehrt die Leute so, der wird der Kleinste heißen im Himmelreich; wer es aber tut und lehrt, der wird groß heißen im Himmelreich.“ Ein Selbstzeugnis Paulus, auf dessen Lehre die Kirche seitdem aufbaut, soll uns vor Augen führen, daß von diesem soeben zitierten Geist nicht viel übrig geblieben ist: In seinem 1. Brief an die Korinther 9;20-23 schreibt er: „Den Juden bin ich geworden wie ein Jude, auf daß ich die Juden gewinne. Denen, die unter dem Gesetz sind, bin ich geworden wie einer unter dem Gesetz – wiewohl ich selbst nicht unter dem Gesetz bin -, auf daß ich die, so unter dem Gesetz sind, gewinne. Denen, die ohne Gesetz sind, bin ich wie einer ohne Gesetz geworden – wiewohl ich doch nicht ohne Gesetz bin vor Gott, sondern bin in dem Gesetz Christi -, auf daß ich die, so ohne Gesetz sind, gewinne. Den Schwachen bin ich geworden ein Schwacher, auf daß ich die Schwachen gewinne. Ich bin allen alles geworden, damit ich auf alle Weise etliche rette. Alles aber tue ich um des Evangeliums willen, auf daß ich seiner teilhaftig werde.“ Es soll uns hier nicht um seine Intention gehen, die Heiden um jeden Preis dazu zu bringen, sich zu Christus zu bekennen. Wichtig ist für uns, daß er allen zu Gefallen zu leben versuchte, weshalb es nicht wunder nimmt, daß die meisten christlichen Feste bis heute in ihren Gepflogenheiten heidnischen Ursprungs sind: 1. Paulusbrief an die Korinther 10;32-33: "Gebet kein Ärgernis weder den Juden noch den Griechen noch der Gemeinde Gottes, gleichwie ich such jedermann in allem zu Gefallen lebe und suche nicht, was mir, sondern was vielen frommt, damit sie gerettet werden.“