Was sagt der Islam zu den Angriffen auf den WTC in N.Y.?

Quelle: Fatwa[1] Bank von IslamOnline.net
Datum der Fatwa: 08.09.2002
Name des Mufti: Faisal Mawlawi[2] (http://www.mawlawi.net)

Angriffe auf Zivilisten, auch wenn sie Bürger eines feindlichen Staates sind, sind nach der islamischen Scharia[3] nicht erlaubt, da dies ihre Rechte verletzt und die Tötung Unschuldiger bedeutet. Wir befinden uns in einem Dawa-Zustand mit dem Westen (d.h. Muslime sind aufgefordert, zum Islam einzuladen). Die Muslime betreten die westlichen Staaten mit einem Visum, das im Sinne des Islam als Abkommen zwischen  Person und  Staat gilt, das eingehalten werden muss. Wenn solche Attentate von Menschen muslimischen Glaubens begangen werden, hat der Islam damit nichts zu tun und sind nach der islamischen Scharia unzulässig, da der Islam keine Verschwörung und keine Tötung von Unschuldigen erlaubt.

Ich fasse die wichtigsten Aspekte dieses Themas zusammen:

  1. Die Botschaft der Muslime als Nachfolger und Anhänger der Gesandten Gottes fassen folgende Koranverse zusammen: (Koran 3:104) „Aus euch soll eine Gemeinschaft (von Leuten) werden, die zum Guten aufrufen, gebieten, was recht ist, und verbieten, was verwerflich ist. Denen wird es wohl ergehen“. (Koran 41:33) „Wer hätte etwas Besseres zu sagen, als einer, der (die Menschen) zu Allah ruft, tut, was recht ist und sagt: "Ich bin (einer) von denen, die sich (Allah) ergeben haben?".
    Die wichtigsten ethischen Eigenschaften des Muslims sind milde zu den Menschen zu sein, mit den Menschen auf beste Weise über den Islam zu diskutieren, dem schlechten Verhalten der anderen mit gutem zu begegnen. Dies und vieles mehr ist in zahlreichen Koranversen und prophetischen Aussagen enthalten.

  2. Der Dschihad im Sinne von Krieg war absolut verboten in den ersten 14 Jahren der Offenbarung des Propheten Muhammad. Nach der Auswanderung der Muslime nach Medina durften die Muslime sich selbst verteidigen, aber keinen Angriffskrieg führen. Schließlich wurde der Kampf erlaubt nur zur Selbstverteidigung und zur Verteidigung der Religionsfreiheit für die muslimischen Minderheiten.

  3. Die Welt ist heute offen und Muslime leben im Westen und genießen Religionsfreiheit, deswegen ist der Krieg in demokratischen Staaten unzulässig.

  4. Die USA stellen sich uneingeschränkt hinter die verbrecherische israelische Politik gegen die Palästinenser und somit ernten sie Hass und Feindseligkeit vonseiten arabischer und muslimischer Bevölkerungen. Als Reaktion darauf riefen muslimische Gelehrte zu friedlichen Aktionen auf, beispielsweise zum Boykott amerikanischer Waren und amerikanischer Läden wie McDonalds, aber kein einziger islamischer Gelehrter rief zu gewalttätigen Handlungen auf amerikanischem Boden auf. Das würde großen Schaden für die Muslime im Westen bedeuten.

  5. Der Islam verbietet prinzipiell die Tötung von Menschen.
    (Koran 5: 32) „ … wenn einer jemanden tötet, ohne dass dieser einen Mord begangen hätte oder ohne dass ein Unheil im Lande geschehen wäre, soll es so sein, als ob er die Gesamtheit der Menschen getötet hätte. Und wenn einer jemanden am Leben erhält, soll es so sein, als ob er die Gesamtheit der Menschen am Leben erhalten hätte.“
    (Koran 17: 33) „Und tötet nicht die Seele, die Allah verboten hat, außer mit Recht“.
    Die Seele in diesen Koranversen umfasst jede Seele muslimisch und nicht muslimisch. Die islamische Scharia sieht die Todesstrafe aufgrund bestimmter Verbrechen vor, aber erlaubt niemals die Tötung irgendeines Menschen aufgrund der Verbrechen anderer, weil die Regel in der islamischen Scharia gilt:
    (Koran 53: 38) „Und keiner wird die Last eines anderen tragen“

  6. Manche denken, dass der Islam die Tötung von Nichtmuslimen ohne entsprechende Schuld erlaubt. Sie begründen es, dass jeder männliche Nichtmuslim ein Harbi[4] sei. Richtig ist, dass nicht jeder Nichtmuslim Harbi ist. Der Nichtmuslim wird Harbi, nur wenn er oder sein Staat zum Krieg gegen Muslime aufruft. In diesem Fall werden nur die an dem Kampf beteiligten Personen angegriffen. Die männlichen erwachsenen Bürger dieses Staates werden Harbi genannt, sie sind aber keinesfalls als Ziel für Angriffe vorgesehen, wenn sie nicht direkt an Kriegshandlungen beteiligt sind.
    (Koran 2 : 190) „Und kämpft um Allahs willen gegen diejenigen, die gegen euch kämpfen! Aber begeht keine Übertretung (indem ihr den Kampf auf unrechtmäßige Weise führt)! Allah liebt die nicht, die Übertretungen begehen.“
    Der Prophet Muhammad schrieb seinem Armeeführer Khalid Ibin Al-Walid: „Töte keine Frau und keinen Aseef[5]“.
    Die Bezeichnung Harbi ändert sich mit einem Friedensabkommen. Die UNO-Charta gilt als Abkommen zwischen den unterzeichnenden Staaten.

Gemäß den oben genannten Punkten sagen wir eindeutig, dass die Angriffe in New York und Washington aus islamischer Sicht in keinem Fall akzeptabel sind und deswegen nicht als Istischhadia[6] bezeichnet werden können, da:

  1. die USA kein Krieg gegen islamische Staaten führten,

  2. alle Angreifer die USA mit einem Visum betraten, das nach islamischem Recht als Abkommen zwischen der Person und dem erteilenden Staat gilt. Dieses Abkommen setzt die Achtung der Gesetze des Gastgeberstaates voraus. Mit diesen Angriffen haben sie sich gegen den Gastgeberstaat (in diesem Fall die USA) verschworen und der Islam erlaubt keine Verschwörung.

  3. Die Entführung von Zivilflugzeugen, in denen sich Frauen, Kinder, alte Leute und sogar Muslime befinden, ist prinzipiell verboten, weil man damit die Menschen terrorisiert und das ist außerhalb des Krieges verboten und es herrschte kein Krieg. Nun wurden mit diesen entführten Flugzeugen die Türme angegriffen, in denen sich Tausende von zivilen Besuchern und Angestellten befanden.

 

Übersetzt und zusammengefasst


[1] Gutachten oder Rechtsprechung von anerkannten islamischen Gelehrten.

[2] Geboren 1941in Tripoli, Libanon. Jurist und Islamwissenschaftler. Diplom der Universität Sorbonne, Paris (1980 – 1985). Seit 2001 Richter am Verfassungsgericht im Libanon. Mitglied des „European Council forFatwa and Resarch“.

[3] Islamisches Recht

[4] Harbi bedeutet männlicher Kämpfer

[5] Der Aseef ist jeder Mann, der nicht an Kriegshandlungen beteiligt ist.

[6] Istischhadia ist Pluralform des Wortes Schaheed. Schaheed bedeutet Zeuge und damit wird jemand bezeichnet, die/der bei der Verteidigung des Landes oder seines Eigentums ermordet wird. Diese Bezeichnung gilt als Ehrung für den Ermordeten und seine Familie.