Beitrag: #1
Ka’b Ibn Malik

Bismillah

Wasalam

Wer war Ka’b Ibn Malik?

Er war Abu Abdullah Ka’b Ibn Malik aus dem Stamm Khazrag, der azs Jemen vor der Flut von Arim nach Medina auswanderten.
Neben Hassan Ibn Tabit war er einer der bedeutendsten Dichter in der Umgebung des Propheten Muhammad (a.s.s.). Er nahm an mehreren Kämpfen teil und wurde bei Uhud verwundet. Im gegensatz zu Hassans Versen zeigen seine Gedichte eine tiefere und echtere Religiösität. Nachdem er dort an den blutigen Kämpfen der Stämme teilgenommen hatte, trat er _ schon vor der Hijra des Propheten (a.s.s.) zum Islam über. Er gehörte zu den Menschen, die über eine ungewöhnliche literarische Begabung und Macht des Wortes verfügt. Im besonderen war Ka’b durch seine scharfen Antworten auf satirische Angriffe der Gegner des Propheten bekannt. Aber als ein hartgeprüfter Mensch machte er durch die Kraft seines Glaubens und seiner Wahrhaftigkeit von einer derartigen Begabung keinen Gebrauch, und daher konnte er nichts über sich selbst sagen.

Bemerkenswert bei dieser Geschicht ist die Tatsache, dass er trotz seiner Verwandtschaft mit dem König Ghassan sich weder aus der Nähe des Propheten Muhammad (a.s.s.) , verließ. Der Gemeinschaft der Muslime, die ihn gemieden hatten, wollte er auf keinen Fall eine Absage erteilen.
Während er bei der Schlacht von Badr nicht teilgenommen hatte, beteiligte er sich sonst bei den meisten anderen Kämpfen. Bei der Schlacht von Uhud, bei der er selbst verwundet wurde leistete er selbstlos dem ebenfalls verwundeten Propheten Beistand.
Nach dem Tod des Propheten (a.s.s.), Bewahrte Ka’b weiterhin seine Treue zum Islam und zum islamschen Staat, sowohl während der Amtszeit des ersten Kalifen Abu Bakr Siddiq (632-634), als auch während der Amtszeit des zweiten Kalifen ‚Umar Ibn Al-Khattab (634-644), aber auch des dritten Kalifen ‚Uthman Ibn ‚Affan (644-656), für den er sich, zusammen mit Hassan und Zaid Ibn Tabit, energisch eingesetzt hatte.
Nach einem bewegten Leben und den historischen Ereignissen Starb Ka’b im Jahre 53 n.H. (673 n.Chr.), nachdem er erblindete, um endliche seine ewige Ruhe bei Allah s.t. zu finden.
Sein Leben und vor allem seine Prüfung bedeuten für uns Muslime eine Schulung im ehrlichen und liebevollen Verhalten gegenüber unserem Schöpfer und Seinem Gesandten. Seine Gedichte haben bis heute noch einen sehr hohen Wert; von ihrem sehr edlen Klang in bezug auf die Begeisterung für den Islam haben sie nicht im geringsten etwas verloren.

Ka’b Ibn Malik erzählte

"Ich war in keiner Schlacht abwesend, an der der Gesandte Allah’s Sas, teilnahm, außer in der Schlacht von Tabuk. Ich hatte zwar an der Schlacht von Badr nicht teilgenommen, damals aber wurde keinem, der nicht teilnahm, ein Vorwurf gemacht. Es ging damals darum, der gesandte (a.s.s.), auszog, um die Kamelkarawane der Qurais anzugreifen. Doch Allah bestimmte den Zusammenstoß mit dem Feind, ohne einen vorherigen Termin. Mit dem Gesandten Allahs (a.s.s.), war ich auch in der Nacht von Al-‚Aqaba (Der Vertrag von ‚Aqaba wurde von dem Propheten (a.s.s.) und Muslimen aus Madina geschlossen und ging der Auswanderung (Hijra) der Muslime von Mekka nach Madina voraus) dabei, als wir den Treueschwur für den Islam geleistet hatten. Dies war ein genauso beliebtes Ereignis wie Badr . Nur Badr blieb im Gedächtnis der Menschen haften.
Zuletzt ging es bei mir darum,dass ich niemals so stark und wohlhabend war, wie damals, als ich mich von der Kampftruppe (nach Tabuk gegen die Römer) zurückzog und daheimblieb. Ich schwöre bei Allah, dass sich bei mir niemals vordem zwei Reittiere befanden, es sei denn, ich dies für den Kampf zur Verfügung gestellt hatte. Gewöhnlich verfuhr der Gesandte Allah’s (a.s.s.) so, dass, wenn er ein bestimmtes Kampfziel hatte, er dieses immer mit einem anderen Ziel tarnteNur für diese letzte Schlacht zog der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede auf ihm, bei einer starken Hitzewelle aus und unternahm eine weite Reise, um ein ruhmreiches Ziel zu erreichen und gegen einen Feind zu kämpfen, der über eine große Zahl von Kriegern verfügte. Deshalb offenbarte der Prophet (a.s.s.) den Muslimen die Sache, damit sie sich für den Kampf gut vorbereiten konnten. Er teilte ihnen sein Ziel genau mit. Und es waren viele Muslime bei ihm, die ihm Beistand leisteten, ohne daß es unter ihnen Leute gab, die sich um den Verwaltungsapparat kümmerten. Jeder Mann, der vorhatte, sich von der Truppe (nach Tabuk) zu entfernen, dachte, daß er nicht auffallen würde, es sei denn, eine Nachricht könne von Allah seinetwegen offenbart werden. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede auf ihm, rückte für diese Schlacht, gerade in einer Zeit aus, in der die Ernte und die schattenspendenden Bäume sehr gediehen. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede auf ihm, und mit ihm die Muslime, rüsteten sich aus, und ich nahm mir vor, mich auch auszurüsten, um mit ihnen auszuziehen. Ich kehrte aber jedes Mal um, ohne etwas unternommen zu haben. Dabei sagte ich zu mir: »Ich weiß, daß ich dazu fähig bin!« Ich hörte nicht auf, mit mir in meiner Entscheidung unschlüssig zu sein, bis die Sache mit den Menschen ernst wurde.
Eines Morgens standen der Gesandte Allahs (a.s.s.), und die Menschen mit ihm für den Aufbruch bereit, während ich gar nichts für meinen Aufbruch unternommen hatte.
Ich sagte zu mir:
»Ich rüste mich aus nach einem Tag oder zwei Tagen und ziehe ihnen nach«.
Als sie auszogen, ging ich, um mich auszurüsten. Ich kehrte abermals zurück, ohne daß ich etwas
unternommen habe; und auch am darauffolgenden Tag geschah dasselbe, nämlich, daß ich gar nichts unternahm. So verging die Zeit mit mir, bis die Truppe weit entfernt war, und trotzdem lag
es mir noch immer sehr am Herzen, mich aufzumachen und ihnen nachzueilen. Hätte ich dies bloß getan! Für mich aber war ein solches Geschick nicht vorherbestimmt! Als ich zu den Menschen auf
die Straße ging und die Runde machte – nachdem der Gesandte Allahs (a.s.s.), weggegangen war, betrübte mich die Tatsache sehr, daß ich nur Leute sah, die wegen
Heuchelei verachtet wurden, oder solche, die schwach waren, und denen Allah deshalb vergeben hat.
Der Gesandte Allahs (a.s.s.), erwähnte meinen Namen solange nicht, bis er Tabuk erreichte. Er fragte erst, als er mit den Leuten da saß:
»Was machte Ka‘b?«
Da sagte ein Mann aus dem Stamme der Banu Salama:
»O Gesandter Allahs, ihn haben seine Schönheit und seine schöne Kleidung zurückgehalten!«
Da sagte aber Mu‘ath Ibn Dschabal:
»Schlimm ist das, was
du sagst! Bei Allah, o Gesandter Allahs, wir können nur Gutes über ihn berichten!«
Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede auf ihm, schwieg. Als ich von seiner Heimkehr erfuhr, war ich voller
Sorgen und fing an, mich an alle Lügensarten zu erinnern. Ich sagte zu mir:
»Wie kann ich später sein Mißfallen über mich vermeiden?«
Dann ließ ich mir von jedem aus meiner Familie, der dazu
fähig war, einen Rat geben.
Als die Nachricht kam, daß der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede auf ihm, bald ankommen würde, wurde jede Lüge von mir verworfen, da ich wußte, daß ich mit Lügen nicht zum Heil
kommen kann. Da entschloß ich mich dann für die Wahrheit. Bald war es soweit, daß der Gesandte Allahs Sas, nun wieder da war. Er pflegte, wenn er von einer Reise
zurückkam, zunächst in die Moschee zu gehen, um dort ein Gebet mit zwei Rak‘a zu verrichten und anschließend mit den Menschen für eine Weile zusammen zu sitzen. Als er dies tat, kamen
diejenigen zu ihm, die daheimgeblieben waren, und fingen an, sich bei ihm zu entschuldigen und vor ihm zu schwören. Diese waren etwa mehr als achtzig Männer, und der Gesandte Allahs Sas, nahm sowohl ihre Entschuldigung als auch ihre Huldigung an – dem Äußeren nach – und bat Allah für sie um Vergebung, wobei er Allah ihre geheimsten Gedanken
überließ.
Nun kam ich zu ihm, und als ich ihn grüßte, lächelte er wie ein Mensch, der nicht zufrieden war, dann sagte er zu mir:
»Komm zu mir!«
Ich begab mich zu ihm mit langsamen Schritten und setzte
mich vor ihn hin. Er sagte zu mir:
»Was hielt dich zurück? Hast du nicht einmal ein Gelöbnis dazu abgegeben?«
Ich sagte zu ihm:
»Gewiß, ich schwöre bei Allah, daß ich, wenn ich vor einem
anderen Menschen von den Leuten dieser Welt gesessen hätte, mich vor seinem Zorn mit irgendeiner Entschuldigung hätte retten können. Ich bin auch ein Mann, dem die Kunst der Sprache
und des Diskutierens gegeben wurde.
Bei Allah, ich bin sicher, daß, wenn ich dir heute eine lügenhafte Erzählung machen würde, mit der du bestimmt hinsichtlich mir zufrieden wärst, würde Allah dich bestimmt gegen mich zornig
machen. Wenn ich dir aber die Wahrheit sage, die dich auch gegen mich aufbringt, so rechne ich dabei mit der Vergebung von Allah. Nein! Bei Allah, ich hatte keine Entschuldigung dafür
vorzubringen. Bei Allah, ich war nie so gesund und so reich, wie bei diesem Mal, als ich daheimblieb.«
Der Gesandte Allahs (a.s.s.), sagte:
»Was diesen Mann angeht, so hat er die Wahrheit gesagt. Steh also auf und geh, bis Allah über dich eine Entscheidung spricht.«
Ich stand dann auf und ging. Einige Männer aus dem Stamm Banu Salama kamen mir erregt nach und sagten zu mir:
»Bei Allah, wir wissen, daß du dir niemals zuvor etwas hast zuschulden kommen lassen. Bist du unfähig, dich beim Gesandten Allahs so zu entschuldigen, wie sich die anderen Daheimgebliebenen entschuldigt haben? Das Bittgebet des Gesandten Allahs (a.s.s.), hätte genügt, um deine Sünden zu vergeben!«
Sie hörten nicht damit auf, mich dafür zu tadeln, bis ich nahe daran war, zurückzukehren und meine Aussage mit einer Lüge zu
widerrufen. Dann fragte ich sie aber:
»Gibt es noch jemanden, dem dasselbe passiert ist wie mir?«
Sie sagten:
»Ja! Es sind noch zwei Männer, die dieselbe Aussage machten wie du, und ihnen wurde dasselbe gesagt, wie dir.«
Ich fragte:
»Wer sind diese zwei?«
Die Leute nannten mir Murara Ibn
Ar-Rabi‘ Al-‘Amryy und Hilal Ibn Umayya Al-Waqifyy.
Sie nannten mir also zwei Männer, die sich an der Schlacht von Badr beteiligt hatten, und als Vorbilder in der Gemeinde galten. Als ich dies hörte, verließ ich die Leute; und der Gesandte Allahs Sas, verbot allen Muslimen, mit uns Dreien von denen, die daheimgeblieben waren, zu reden.
Die Menschen vermieden also uns und änderten ihre Beziehung uns gegenüber grundlegend, so als
ob mich die ganze Erde verleugnet hätte. Das war nicht dieselbe Erde, die ich kannte. Nach diesem
Ereignis vergingen fünfzig Nächte. Was meine beiden Gefährten anging, so blieben sie still in ihren
Wohnungen und weinten. Was mich anging, so war ich unter den dreien der jüngste und der
standhafteste. Ich pflegte hinauszugehen und mit den Muslimen wie üblich zu beten. Ich lief auf
den Märkten herum, ohne daß jemand mit mir ein einziges Wort gewechselt hätte. Ich kam aber
auch zum Gesandten Allahs (a.s.s.), als er nach dem Gebet mit den
Leuten dasaß, und grüßte ihn. Ich fragte mich selbst, ob er seine Lippen zur Erwiderung des
Grußes überhaupt bewegt hatte oder nicht! Dann suchte ich manchmal einen Gebetsplatz in seiner
Nähe und wechselte mit ihm die Blicke: Wenn ich mich zum Gebet begab, blickte er in meine
Richtung. Und wenn ich in seine Richtung blickte, wandte er sein Gesicht ab.
Diese ablehnende Haltung der Menschen mir gegenüber trieb mich dazu, daß ich umherlief, bis ich
an die Mauer des Obstgartens von Abu Qatada kam. Da kletterte ich auf die Mauer hinauf. Abu
Qatada ist übrigens mein Neffe und der liebste Mensch mir gegenüber. Ich grüßte ihn und bei Allah,
er erwiderte den Gruß nicht. Ich sagte zu ihm:
»Du, Abu Qatada! Ich flehe dich an bei Allah! Willst
du mir nicht sagen, wie ich Allah und Seinen Gesandten lieben soll?«
Er aber schwieg. Ich kam
abermals zu ihm und wiederholte meine Bitte, aber er schwieg. Ich kam nochmals zu ihm und
wiederholte meine Bitte, und er erwiderte:
»Allah und Sein Gesandter wissen es am besten!«
Da liefen mir die Tränen aus meinen Augen. Ich wandte mich ab und kletterte wieder die Mauer hinab.
Während eines Spaziergangs auf dem Markt, sah ich einen nabatäischen Händler aus Syrien, der
mit Lebensmitteln kam, um diese in Al-Madina zu verkaufen. Dieser Mann stellte den Leuten die
Frage, ob ihn jemand zu (mir) Ka‘b Ibn Malik führen könnte. Die Leute zeigten mich ihm. Als er zu
mir kam, gab er mir einen Brief des Königs von Ghassan, der folgendes enthielt: >Sodann, mir
wurde berichtet, daß sich dein Gefährte (der Prophet) von dir abwandte. Allah hat dich nicht
unbedingt darauf angewiesen gemacht, in einem Gebiet zu leben, in dem du dich gedemütigt fühlst
oder als wertloser Mensch lebst. So komm zu uns; denn wir sind imstande, dich zu trösten!< Ich
sagte zu mir, als ich diesen Brief las:
»Das ist noch eine weitere Prüfung!«
Ich ging mit dem Brief zum Ofen und verbrannte ihn darin.
Als vierzig Nächte von den insgesamt fünfzig Nächten vergangen waren, kam ein Bote des Gesandten Allahs (a.s.s.), zu mir und sagte:
»Der Gesandte Allah (a.s.s.), befiehlt dir, daß du dich deiner Frau nicht näherst.«
Ich fragte:
»Soll ich sie vertoßen, oder wie soll ich mich verhalten?« Der Bote sagte:
»Nein! Nur, bleib von ihr fern und berühre sie nicht!« Meinen anderen Gefährten wurde der gleiche Befehl erteilt. Ich wies meine Frau
an:
»Geh zu deiner Familie und bleib solange dort, bis Allah eine Entscheidung über diese meine Sache gibt.«
Die Frau von Hilal Ibn Umayya kam aber zum Gesandten Allahs (a.s.s.),
und sagte:
»O Gesandter Allahs, Hilal Ibn Umayya ist doch ein alter und schwächlicher Mann, der keinen Pfleger hat. Wärst du nicht damit einverstanden, daß ich ihn weiterpflege?«
Der Prophet sagte:
»Nein! Nur unter der Bedingung, daß er dich nicht berührt.«
Sie entgegnete:
»Er hat bei Allah zu nichts ein Verlangen. Bei Allah, bis heute hörte er nicht auf zu weinen, seit dem Vorfall,
der mit ihm damals geschah.«
Darauf sagten einige Leute aus meiner Familie zu mir:
»Wenn du den Gesandten Allahs wegen deiner Frau um Erlaubnis bitten würdest, würde er ihr vielleicht auch
erlauben, dich zu pflegen, so wie er der Frau von Hilal Ibn Umayya erlaubt hat, ihn zu pflegen?«
Ich sagte zu den Leuten:
»Bei Allah, ich werde den Gesandten Allahs (a.s.s.), nicht um eine solche Erlaubnis bitten. Und wie kann ich im voraus wissen, was der Gesandte Allahs (a.s.s.), dazu sagen wird, wenn ich ihn um eine Erlaubnis wegen meiner Frau bitte, wo ich doch ein junger
Mann bin!«
Danach vergingen noch zehn Nächte, bis die Gesamtzahl der fünfzig Nächte erreicht war, seit dem
Tag, an dem der Gesandte Allahs (a.s.s.), den Leuten verbot, sich mit uns zu unterhalten. Als ich gerade das Morgengebet der fünfzigsten Nacht beendet hatte, und zu
diesem Zeitpunkt auf dem Dach meines Hauses saß, befand ich mich in einem Zustand, wie ihn
Allah erwähnte: meine Seele war wie zugeschnürt, und die Erde wurde mir trotz ihrer Weite zu eng;
da hörte ich plötzlich die Stimme eines Rufers, der zu der Anhöhe des Berges von Sal‘ gelangt war,
und mit seiner lautesten Stimme rief:
»Du, Ka‘b Ibn Malik. Freue dich über eine gute Botschaft für
dich!« Ich warf mich sofort nieder und wußte, daß für mich eine Erlösung kam.
Diese Nachricht kam, als der Gesandte Allahs (a.s.s.), während des
Morgengebets, bekannt gab, daß Allah unsere Reue annahm. Da gingen die Leute hinaus, um uns
zu beglückwünschen. Auch zu meinen beiden Gefährten gingen einige mit der freudigen Nachricht,
und zu mir kam ein Mann geritten, während ein anderer Bote sich bemühte, zur Berghöhe zu
gelangen, um die Nachricht zu verkünden. Die Stimme des Mannes war schneller als das Reittier.
Als derjenige zu mir kam, dessen Stimme mit der frohen Botschaft ich hörte, zog ich für ihn mein
Kleid aus und kleidete ihn damit (aus Dankbarkeit) für seine gute Nachricht. Bei Allah, ich hatte an
jenem Tag kein anderes Kleidungsstück gehabt als dieses. Anschließend lieh ich mir zwei
Kleidungsstücke, zog sie an und ging in aller Eile zum Gesandten Allahs (a.s.s.).
Unterwegs empfingen mich die Leute scharenweise. Einer nach dem anderen beglückwünschten sie
mich für die Annahme meiner Reue, indem sie sagten: »Wir gratulieren, daß Allah deine Reue
annahm!« Nun ging ich in die Moschee und sah, daß der Gesandte Allahs, (a.s.s.), dort saß, und um ihn herum saßen die Leute. In diesem Augenblick stand Talha Ibn ‘Ubaid
auf und eilte zu mir, schüttelte mir die Hand und gratulierte mir. Bei Allah, es stand kein anderer
unter den Männern der Al-Muhadschirun außer ihm auf; und ich werde Talha dies nie vergessen!
Als ich den Gesandten Allahs (a.s.s.), grüßte, sagte der Gesandte Allahs (a.s.s.), mit einem vor Freude strahlenden Gesicht zu mir:
»Freue dich über das Gute eines Tages, der dir widerfährt, seit dich deine Mutter zur Welt brachte!« Ich fragte ihn:
»Ist es von dir, o Gesandter Allahs, oder ist es von Allah?«
Er sagte:
»Es ist doch von Allah!«
Das Gesicht des Gesandten Allahs (a.s.s.), strahlte gewöhnlich wie das
Licht eines Mondes, wenn er über etwas erfreut war, und dies war uns bekannt. Als ich vor ihm saß,
sagte ich zu ihm:
»Aus Reue will ich mein ganzes Vermögen als Spende an Allah und Seinen
Gesandten abgeben!«
Der Gesandte Allahs (a.s.s.), sagte:
»Behalte etwas von deinem Vermögen zurück; denn dies ist besser für dich.«
Ich sagte:
»In diesem Fall behalte ich nur meinen Vermögensanteil von Chaibar. O Gesandter Allahs! Wenn Allah mich
gerettet hat, so hat Er dies wegen der Wahrhaftigkeit getan. Zu meiner Reumütigkeit gehört
wahrlich, daß ich mein Leben lang nichts anderes sagen werde als die Wahrheit.«
Bei Allah! Ich kenne keinen unter den Muslimen, der – seitdem ich meine Aussage vor dem Gesandten Allahs (a.s.s.), gemacht habe – bezüglich der Wahrhaftigkeit in seiner Aussage
besser geprüft worden wäre als ich.
Ich habe – seitdem ich meine Aussage vor dem Gesandten Allahs (a.s.s.),
gemacht habe – nie zu lügen beabsichtigt; und ich hoffe, daß Allah mich vor dem Lügen bewahrt,
solange ich lebe.
Zur Annahme meiner Reue offenbarte Allah Seinem Gesandten Sas,
folgende Qur’an-Verse aus der Sura At-Tauba (9:117ff.): >Allah hat Sich wahrlich gnadenvoll dem
Propheten zugewandt und den Auswanderern und den Helfern, die ihm in der Stunde der Not
gefolgt sind, nachdem die Herzen einiger von ihnen fast gewankt hätten. Er aber wandte Sich ihnen
abermals mit Erbarmen zu. Wahrlich, Er ist zu ihnen Gütig, Barmherzig. Und auch den Dreien
(wandte Er Sich wieder gnädig zu), die zurückgeblieben waren, bis die Erde ihnen in ihrer Weite zu
eng wurde und ihre Seelen ihnen zugeschnürt wurden, und sie wußten, daß es keine Zuflucht vor
Allah gibt, es sei denn (die Zuflucht) zu ihm. Da kehrte Er Sich ihnen mit Erbarmen zu, auf daß sie
sich bekehren würden. Wahrlich, Allah ist der Gnädige, der Barmherzige. O die ihr glaubt, fürchtet
Allah und seid mit den Wahrhaftigen.<
Bei Allah! Allah hat mir zu keiner Zeit eine Gnade erwiesen – nachdem Er mich zum Islam
rechtgeleitet hatte, die in meiner Seele größer sein könnte, als meine Wahrhaftigkeit gegenüber
dem Gesandten Allahs (a.s.s.), nämlich, daß ich ihn nicht belogen hatte,
wodurch ich zugrunde gegangen wäre, wie diejenigen zugrunde gingen, die ihn belogen hatten;
denn Allah hat zu denjenigen, die zur Zeit der Herabsendung der Offenbarung gelogen hatten, das
Schlimmste gesagt, was Er je einem sagte. Er, Segensreich und Erhaben ist Er, sagt in der Sura At-
Tauba (9:95f.): >Sie werden vor euch bei Allah schwören, wenn ihr zu ihnen zurückkehrt, daß ihr
sie sich überlassen solltet. Überlaßt sie also sich selbst. Sie sind eine Plage, und ihr Aufenthalt ist
die Hölle, als Entgelt für das, was sie sich selbst erwarben. Sie werden euch schwören, daß ihr mit ihnen wohl zufrieden sein könntet. Doch wäret ihr auch mit ihnen zufrieden, Allah würde doch nicht
mit einem Volk von Frevlern zufrieden sein.<
Dann geschah es, daß wir drei uns von denjenigen abgesondert hatten, deren Entschuldigung der
Gesandte Allahs (a.s.s.), annahm, als sie vor ihm schworen, ihm
huldigten, und er für sie ein Bittgebet um Vergebung ihrer Sünden sprach. Die Entscheidung aber
über unsere Angelegenheit, wurde vom Gesandten Allahs Sas,
solange verschoben, bis Allah Selbst darüber etwas bestimmte, wie Er dazu in Sura At-Tauba
(9:118) sagt: >Und auch den Dreien (wandte Er Sich wieder gnädig zu), die zurückgeblieben
waren.< Bei dem, was Allah hier erwähnt, handelt es sich nicht um diejenigen, die überhaupt vom
Feldzug daheimblieben, sondern um die Aufschiebung der Entscheidung über das Schicksal derer,
die sich von den anderen, welche ihm schworen und sich bei ihm entschuldigten, absonderten, und
sich darauf seinem Gebot unterwarfen.“
Hier endet der Bericht von Ka‘b Ibn Malik, dem Schüler des Propheten Muhammad (a.s.s.), über dessen Lehre folgende, ebenfalls bei Al-Bucharyy überlieferte Hadithe
Aufschlüsse geben: ‘Abdullah, Allahs Wohlgefallen auf ihm, berichtete, daß der Prophet (a.s.s.), sagte: ”Wahrlich, die Wahrhaftigkeit führt zur Rechtschaffenheit, und
die Rechtschaffenheit führt wahrlich zum Paradies. Der Mensch pflegt beharrlich die Wahrheit zu
sprechen, bis er zu einem "Wahrhaftigen" wird. Und wahrlich, die Lüge führt zur Unverschämtheit,
und die Unverschämtheit führt zum Höllenfeuer. Der Mensch pflegt so lange zu lügen, bis er bei
Allah als "Lügner" eingeschrieben wird.“ Abu Huraira berichtete, daß der Gesandte Allahs (a.s.s.), sagte: ”Die Kennzeichen eines Heuchlers sind drei: Wenn er spricht, lügt
er; und wenn er etwas verspricht, erfüllt er sein Versprechen nicht; und wenn ihm etwas
anvertraut wird, handelt er untreu.“ Allah möge uns vor allem Übel behüten und unseren Glauben
bewahren und uns am Tage des Jüngsten Gerichts unter den Wahrhaftigen versammeln.

Wasalambox

Quelle: Islamische Bibliothek