Aufsatz über sujud as-sahw (Zusätzliche Niederwerfung wegen Unaufmerksamkeit)

Verfasst von Scheikh Muhammad ibn Salah al-Uthaimin,

möge Allah ihm barmherzig sein!

Teil 1 

 

Im Namen Allas, des Allerbarmers, des Barmherzigen; Lob sei Allah, dem Herrn aller Welten. Allahs Frieden und Wohlgefallen auf unserem Propheten, Muhammad, der die Botschaft deutlich mitgeteilt hat, auf seinen Verwandten, seinen Gefährten und ihren guten Nachfolgern bis zum Jüngsten Tag.

Viele Menschen kennen viele Regeln vom sujud as-sahw, der Niederwerfung wegen Unaufmerksamkeit, im Gebet nicht. Einige machen es nicht in Fällen, wo es Pflicht ist, andere machen es, wo es kein Bedarf dafür steht. Einige tun es vor dem taslim (dem Sagen von ‚as-salamu alaikum‚ am Ende des Gebets), wobei es richtig wäre, es danach zu verrichten, und andere verrichten es im Gebetesanschluss, wobei es richtig wäre, es davor zu tun. Deswegen sind seine Regeln sehr wichtig, vor allem für die Vorbetenden (Imame), die als Vorbild für die Menschen gelten und die die Verantwortung tragen, das Richtige in ihren Gebeten zu tun. Also wollte ich meinen Brüdern ein paar Regeln zu diesem Thema anbieten und bitte Allah darum, dass Er Seine gläubigen Diener daraus Nutzen ziehen lässt.

Hier sage ich, Allah um Hilfe und Richtigkeit bittend:

 

Definition von sujud as-sahw:

sujud as-sahw ist zwei Niederwerfungen, die der Betende verrichtet, um einen wegen Unaufmerksamkeit im Gebet gemachten Fehler zu korrigieren, sei es in der Form eines Hinzufügens (Mehrtuns), Auslassens (Wenigertuns) oder Zweifels.

 

1. Das Hinzufügen:

  • Wenn der Betende etwas, wie z.B. Aufstehen, Sitzen, Verbeugung oder Niederwerfung, zum Gebet mit Absicht hinzufügt bzw. mehr tut, dann ist das Gebet ungültig.

  • Wenn man aber dies aus Versehen macht und es erst nach der Verrichtung des Gebets merkt, dann ist sein Gebet richtig, und man muss sujud as-sahw nachverrichten.

  • Wenn man dies während des Gebets merkt, muss man dieses Hinzufügen unterlassen und sujud as-sahw verrichten. Sein Gebet ist dann richtig.

 

Beispiele:

·         Man macht im Mittagsgebet (al-dhuhr) 5 rak’aa. Er merkt dies erst beim taschahud (am Ende, wenn  man man sitzt), dann macht man weiter mit taschahud und beendet sein Gebet normal (also mit taslim). Dann muss man sujud as-sahw und noch mal taslim verrichteten. [Reihenfolge: taslim, sujud as-sahw, nochmal taslim]

·         Wenn man es aber nach dem taslim merkt, dann verrichtet man sujud as-sahw und noch mal taslim. (Gleiche Lösung). [Reihenfolge: taslim, sujud as-sahw, nochmal taslim]

·         Wenn man es während der 5. rak’aa merkt, sitzt man sofort, spricht das taschahud und beendet sein Gebet normal (also mit taslim). Dann verrichtet man sujud as-sahw und noch mal taslim. [Reihenfolge: taslim, sujud as-sahw, nochmal taslim]

 

Der Beweis für diese Fälle:

Abdulllah Ibn Mas’ud, Allahs Wohlgefallen auf ihm, berichtete:

"Der Prophet, Allahs Frieden und Wohlgefallen auf ihm, betete das Mittagsgebet 5 rak’aa. Danach wurde er gefragt: Ist die Gebetsanzahl mehr geworden? Er fragte: Warum fragt ihr? Man sagte: Du hast 5 (rak’aa) gebetet. Darauf verrichtete der Prophet sujud as-sahw"

In einer anderen Version stand:

"Drauf faltete er seine Beine zusammen, wendete sich der qibla zu, warf sich zwei Mal nieder und abschließend machte taslim."

  • Wenn man taslim vor dem Vollbringen aller vorgeschriebenen rak’aa macht, dann gilt dies als zusنtzliches Hinzufügen zum Gebet. (Das gehört dazu, weil in diesem Fall ein taslim mehr getan wird)
  • Wenn der Betende dies absichtlich tut, dann gilt sein Gebet nicht mehr.
  • Wenn man es aber aus Versehen tut, aber sich daran erst nach langer Zeit erinnert, dann muss man dieses Gebet wiederholen.
  • Wenn man sich daran nach kurzer Zeit, z.B. einer oder zwei Minuten, erinnert, dann muss das Gebet mit taslim am Ende nachvollendet werden, und dann muss man sujud as-sahw mit nochmanl taslim machen. [Reihenfolge: Nachvollenden mit taslim, sujud as-sahw, nochmal taslim]

 

Der Beweis dafür:

 

Abu Huraira überlieferte:

"Einmal betete der Prophet, Allahs Frieden und Wohlgefallen auf ihm, dhuhr oder asr vor, wobei nach der zweiten rak’aa taslim machte. Darauf gingen einige eilige Männer aus der Moschee und sagten: Das Gebet ist kürzer geworden. Der Prophet stand auf und stützte sich an den minbar und sah wütend aus. Da stand ein Mann auf und sagte: O Gesandter Allahs, hast Du etwa vergessen? oder ist das Gebet kürzer geworden? Der Prophet, Allahs Frieden und Wohlgefallen auf ihm, sagte: Weder habe ich vergessen, noch ist das Gebet kürzer geworden. Ein Mann sagte dann: Doch, Du hast vergessen! Der Prophet, Allahs Frieden und Wohlgefallen auf ihm, fragte die Gefährten: Ist es wahr, was er sagt? Sie antworteten: Ja. Daraufhin kehrte der Prophet, Allahs Frieden und Wohlgefallen auf ihm, zum Gebetsplatz zurück,  setzte das Gebet fort und beendet es mit taslim; danach warf er sich zwei Mal nieder und machte taslim."

Wenn der Imam das Gebet vor dem Vollbringen aller erforderlichen rak’aas beendet und unter den Nachbetenden einige sind, die das Gebet nicht am Anfang erreicht haben und daraufhin die fehlenden rak’aas nachbeten müssen, – aber dann sich der Imam seines Fehlers bewusst wird und das Gebet fortsetzen will -, dann haben die genannten Nachbetenden die Wahl,

entweder ihr Nachbeten fortzusetzen und erst dann sujud as-sahw zu machen. [Reihenfolge: allein Vollenden mit taslim, sujud as-sahw, nochmal taslim]

oder ihr Nachbeten zu unterlassen und dem Imam nachzubeten, bis er taslim macht, dann sollen sie sujud as-sahw des Imams nicht mitmachen, sondern erst die fehlenden rak’aas nachbeten und dann sujud as-sahw machen. Die zweite Lösung wäre besser und sicherer. [Reihenfolge: mit dem Imam bis zum taslim wiederbeten , die fehlenden rakaas verrichten, sujud as-sahw, nochmal taslim]

 Quelle: http://www.as-sunnah.de/modules.php?name=News&file=article&sid=183