Rechtsextremismus: Neonazis ritzen junger Frau Hakenkreuz ins Bein

Rechtsextremismus: Neonazis ritzen junger Frau Hakenkreuz ins Bein (Foto: ap)

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Im sächsischen Mittweida haben Rechtsextremisten einer 17-Jährigen ein Hakenkreuz in die Haut geschnitten. Die Frau wollte dem Kind einer Spätaussiedlerin helfen, das von Neonazis angegriffen und herumgestoßen wurde. Ein Tatverdächtiger ist mittlerweile jedoch schon auf freiem Fuß.

Die Neonazis sollen das sechsjährige Mädchen hin und her gestoßen haben. Das Kind habe bereits geweint, als die Jugendliche dazwischen ging. Die Chemnitzer Polizei beschreibt den weiteren Tathergang wie folgt: Die 17-Jährige rief den Männern zu, sie mögen das Mädchen in Ruhe lassen. Daraufhin ließen sie von dem Kind ab, griffen die Jugendliche an und rissen sie zu Boden. Drei der Tatverdächtigen hielten nun die 17-Jährige fest, während der vierte ihr mit einem skalpellartigen Gegenstand ein ca. 5 cm großes Hakenkreuz in die Haut im Hüftbereich ritzte. Der Versuch der Täter, in die Wange des Opfers eine Sigrune zu ritzen, scheiterte an dessen Gegenwehr. Anschließend ließen die Täter von der Jugendlichen ab, so dass sie flüchten konnte. Dem Kind als dem ursprünglichen Opfer der Täter war zwischenzeitlich ebenfalls die Flucht gelungen.

Täter trugen Jacken mit der Aufschrift "NSDAP“

Die Chemnitzer Polizeisprecherin Heidi Hennig sagte WELT ONLINE: "Wir gehen von der Glaubhaftigkeit der Aussagen aus und haben keine Zweifel an der Darstellung." Das zuerst angegriffene Kind habe die Aussage bestätigt. Der Gerichtsmediziner habe erklärt, dass sich die junge Frau diese Verletzung nicht habe selbst beibringen können. Die Freilassung eines Beschuldigten sei damit zu erklären, dass die junge Frau den Täter auf einem Bild nicht 100-prozentig wieder erkannt habe.

Der ermittelte Tatverdächtige stammt aus dem Raum Burgstädt. Bei der Durchsuchung seines Zimmers in der elterlichen Wohnung stellten die Beamten mit Sand gefüllte Lederhandschuhe, einen Button der verbotenen Neonazi-Kameradschaft "Sturm 34" sowie Datenträger sicher.

Die Polizei sucht nach Zeugen. Nach Angaben der 17-Jährigen hatten mehrere Anwohner von ihren Balkonen aus das Geschehen beobachtet. Mit Hilfe der Jugendlichen wurden Phantombilder der Tatverdächtigen erstellt. Zwei von ihnen sollen zum Tatzeitpunkt Jacken mit der Aufschrift "NSDAP" getragen haben, einer hatte Runen auf die Finger tätowiert.

In Mittweida war zu Jahresbeginn die Zahl der Übergriffe mit rechtsextremem und ausländerfeindlichem Hintergrund massiv gestiegen. Im April reagierte Innenminister Albrecht Buttolo (CDU) und verbot die Kameradschaft "Sturm 34". Seitdem war es in der Region ruhig geworden. Der mutmaßliche Rädelsführer (19) der Kameradschaft muss sich derzeit wegen Körperverletzung vor dem Amtsgericht Chemnitz verantworten. Er sitzt in Untersuchungshaft. Bei der Staatsschutzkammer des Landgerichtes Dresden liegen derzeit zehn Anklagen gegen Mitglieder der verbotenen Organisation vor.

Welt Online, 23.11.2007