Die weibliche Stimme und das Singen

Beantwortet von Shaykh Muhammad ibn Adam al-Kawthari

Im Namen Allahs, des Allerbarmers, des Allbarmherzigen.

Allah der Allmächtige hat in der Stimme der Frau eine natürliche Anziehungskraft und einen natürlichen Charme erschaffen, welcher eine lebhafte Rolle in der Provokation, inklusive des sexuellen Verlangens des Mannes spielt.

Dies ist eine Realität, welche nicht geleugnet werden kann. Sogar Psychologen stimmen diesem Faktum zu. Viele Psychologen haben betont, dass die Stimme eines Individuums eine große Rolle im Erregen von sexuellem Verlangen spielt.

Dies ist der Grund dafür, warum Allah der Allmächtige den Frauen des Propheten (sallallahu aleyhi ve sellem) im Speziellen und allen muslimischen Frauen im Allgemeinen befohlen hat, sich davon fern zu halten, mit nicht-mahram Männern in einem sanften und süßen Ton zu sprechen.

Allah sagt in der Sure al-Ahzab:

"O Frauen des Propheten, ihr seid nicht wie andere Frauen! Wenn ihr gottesfürchtig sein wollt, dann seid nicht unterwürfig im Reden, damit nicht der, in dessen Herzen Krankheit ist, Erwartungen hege, sondern redet in geziemenden Worten." (Ayet 32)

Dieser Vers zeigt, dass Frauen und Männer nicht ohne Notwendigkeit miteinander sprechen sollen und wenn sie es tun, müssen Inhalt und Art angemessen sein, frei von Anreizen.

Imam Abu Abd Allah al-Qurtubi (möge Allah mit ihm zufrieden sein) schreibt in seiner berühmten Exegese des Koran, al-Jami li ahkam al-Qur`ran:

"Es war Brauch der arabischen Frauen in den Tagen der Unwissenheit (Jahiliyya) mit Männern in einer sanften und aufreizenden Art zu sprechen. Dies wurde durch jenen Vers des Koran verboten."

Von einigen Frauen des Gesandten Allahs (sallallahu aleyhi ve sellem) wurde erzählt, dass, nach der Offenbarung des oben genannten Verses, wenn die Notwendigkeit bestand, mit einem nicht-mahram Mann zu sprechen, sie es taten, indem sie dabei eine Hand über den Mund legten. Dies taten sie, um jeder Sanftheit und jedem Anreiz in ihrer Stimme vorzubeugen. (Dieser Hadtih wurde von al-Darqutni in seiner Sunnah-Sammlung mit einer authentischen Überlieferungskette aufgenommen)

Der große Hanafi-Gelehrte Imam Abu Bakr al-Jassas sagte in "Ahkam al-Qur`an ( sein exzellentes Werk über die Verse des Koran in Verbindung mit dem Gesetz):

Dieser Vers (oben genannt) zeigt das Verbot für Frauen, ihre Stimme in Gegenwart von nicht-mahram Männern zu erheben weil dies zu Fitna führen könnte. Dies ist der Grund, warum unsere (Hanafi) Gelehrten das Sprechen des Gebetrufes bei Frauen für Makruh erklärt haben, weil sie ihre Stimme erheben muss, was nicht erlaubt ist." (Vo:5, P:229)

Ferner sagt er:

"Und sie sollen ihre Füße nicht so (auf den Boden) stampfen, daß bekannt wird, was sie von ihrem Schmuck verbergen. Und wendet euch allesamt reumütig Allah zu, o ihr Gläubigen, auf daß ihr erfolgreich sein möget. [24:31]

Wenn es ihnen verobten ist, nicht-mahram Männer den Klang ihres Schuhwerks hören zu lassen,dann ist das Verbot, ihre Stimme in einer anreizenden Weise zu erheben, von noch größerer Bedeutung.

Allma Murtadha al-Zabeedi, der große Hanafi, Sufi und Linguist sagt in seinem Kommentar zum "Ihya" von Imam al-Ghazali, "Ithaf al-Sadat al-Muttaqin":

"Eine Gruppe von Gelehrten hat zwischen dem Gesang von Männern und Frauen unterschieden. Dem Gesang von nicht-mahram Frauen zu lauschen wurde von ihnen für haram erklärt und bei dem Gesang von mahram- Frauen ist man sich nicht einig. Diese Regelung ist anzuwenden, gleichgültig ob die Frau Hijab trägt oder nicht." (Band 6, seite 501)

Das oben Genannte ist klar und setzt fest, dass man nicht unnötigerweise der Stimme einer Frau lauschen sollte. Solltes es notwendig sein mit ihnen zu sprechen, sollte es in der Weise erfolgen, wie es oben dargestellt wurde.

Ist die Stimme einer Frau Teil ihrer Awra?

Was die Stimme der Frau betrifft, nach der bevorzugten Meinung der Hanafi-Madhab, so wird sie nicht als Teil der Awra betrachtet. Wie auch immer, besteht die Gefahr von Fitna, so sollte die Frau nicht ihre Stimme erheben und der Mann nicht zuhören.

Einer der großen Hanafi-Gelehrten, Ibn Human (möge Allah mit ihm zufrieden sein), sagt in seinem "Fath al-Qadir", zitiert von "al-Nawazil":

"Die melodische Stimme der Frau und ihr Gesang wird als Awra betrachtet. Das ist der Grund dafür, warum es besser für sie ist, den Qur`an von einer Frau zu erlernen als von einem blinden Mann, weil ihre Reziation in Tönen Awra ist. Der Prophet (sallallahu aleyhi ve sellem) sagte: ‚Das Rezitieren von Tespih ist für Männer und das Klatschen für Frauen." (Dies meint, dass wenn der Imam ein Fehler im Gebet macht, erregt ein Mann dessen Aufmerksamtkeit durch das Rezitieren von Subhan Allah und die Frauen durch das Klatschen ihrer Hände) (Fath al-Qadir, Seite 260)

Ibn Abidin, nach dem gleichen Zitat von al-Nawazil, schreibt in seinen "Hashiya":

Es ist zulässig für Frauen, mit nicht-mahram Männern bei Notwendigkeit zu sprechen. Was aber nicht erlaubt ist, ist, dass sie ihre Stimmen mildern und sie in einer melodischen Weise erheben." (Band 1, Seite 406)

Von den heutigen Gelehrten schreibt Dr. Wahaba al-Zuhayli aus Damaskus in seinem berühmten " al-Fiqh al-Islami wa Adillatuhu":

Es ist haram, der Stimme einer Frau zu lauschen, die sich auf einer melodischen und musikalischen Ebene bewegt, selbst wenn es beim Rezitieren des Qur`an ist." (Band 1, Seite 755)

Schussfolgernd ist bewiesen, dass es ein Mann vermeiden muss, dem Nasheed und Na`at von nicht-mahram Frauen zu lauschen. Gleichsam ist es notwendig, dass Frauen nicht in Gegenwart von nicht-mahram Männern singen, weder in deren Gegenwart, noch durch das Aufnehmen ihrer Stimme auf Alben.

Und Allah weiß es am besten.

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